Various – Body Language Vol. 6 compiled by Junior Boys

Expressiv-persönliche Mixe soll die Body-Language-Reihe von Get Physical bieten. Insofern kommt Spannung auf in Erwartung eines Beitrags der Junior Boys zu der Mix-CD-Reihe. Deren „So This Is Goodbye“ stellte ja doch eines der Konsens-Alben im hier betrachteten Kosmos dar.Entsprechend enttäuscht dann das Ergebnis der Body Language Volume 6. Die beiden Electro-Pop-Helden Matt Didemus und Jeremy Greenspan liefern zwar eine routinierte und alles in allem durchaus gelungene Mischung, doch fehlt der große Aha-Effekt; … den die Zielgruppe vielleicht gar nicht erwartet.

Vom ersten Ton bis weit in die zweite Hälfte hinein erscheint der Mix als eine flüssige, locker aus dem Ärmel geschüttelte Hit-Ansammlung für den routinierten, mal gerade dazwischen gepackten DJ-Termin auf Ibiza. Soll heißen, es ist tanzbar, achtet aber immer darauf, einen nicht so hinzureißen, die teure Flüssigkeit im Glas zu verschütten. Beispielhaft dafür sei Supermayers „Saturndays“ genannt, das schon auf „Supermayer Save The World“ auf Dauer langweilte. Erste positive Ausnahme bildet das spannungsgeladene „Screaming Hands“ von Radio Slave im „Cosmo Vitelli Radioaktivitat Remix“. Hier lassen Didemus und Greenspan erstmals aufhorchen. Aber schon Todd Terjes Mix von „Life’s A Beach“ fällt in alte Strickmuster zurück.

Gui.tar führt dann hinüber in den ersten – weil vollkommen überraschend kommenden – Höhepunkt des Albums. Stereo Images „Dark Chapter“ ist – in diesem Umfeld – erfrischender Electro Pop – oder Indietronic. Von hier an beginnt der gute Teil dieser CD. Zunächst Matthew Dear mit „You Know What I Would Do“, dann Pushé „Don’t Take Your Love Away“ und Visage („I’m Still Searching“). Alles Tracks mit Geistesverwandtschaft zum achtziger-Jahre-infiltrierten Pop der Junior Boys, gipfelnd in einem bisher unveröffentlichten Junior-Boys-Track – „No Kinda Man“. Durch dies Passage wurde unauffällig das Tempo des „Sets“ reduziert, die Stimmung auf Retro – 80er – geschaltet und die Hörer träumen sich mit dem langsamen Junior-Boys-Original … wohin auch immer. Unzweideutig der Produktion von „So This Is Goodbye“ entspringend verströmt es die Atmosphäre, die ich fast von diesem Mix erwartet hätte, wenn auch – aufgrund des tatsächlichen Erscheinungsbilds der CD – sogar zu sehr.

Der Chloé Remix von Reworks „Love Love Love Yeah“ verbindet dann das 80er Gefühl mit dem zu Beginn dominierenden Techno-House-Sound und leitet hinüber in das düstere, vielschichtige „bl3w rod30 d3mo“ von f0st3r. Die Stimmung darf Chloé aufrechterhalten mit „Be Kind To Me“, einem spannungsgeladenen Track ihres Albums „The Waiting Room“. Ein Sound, von dem man sich auch mehr hätte wünschen können auf Body Language Volume 6, der aber von dem verspielten – in 1982 entstandenen – orientalischen Synthesizerwave in Bill Nelsons „When Your Dream Of Perfect Beauty Comes True“ zum Abschluss erfrischend kontrastiert wird.

Insgesamt eine zwiespältige Angelegenheit dieser Mix, der all seine Höhepunkte in der zweiten Hälfte versteckt und vorher nur gepflegte Langeweile zu bieten hat. Laufen die realen DJ-Sets der Junior Boys – egal ob nun von Matt Didemus oder Jeremy Greenspan – ebenso ab, kann ich darauf, glaube ich, eher verzichten.

Advertisements