These New Puritans – Beat Pyramid

Es ließe sich eine Besprechung von „Beat Pyramid“ schreiben, die am Ende eher als Lokalisierung des eigenen Ichs, sowie des „Wir“ der Band im Mode-Kosmos gelesen werden könnte. Ein solcher Text enthielte vielleicht den Namen Lagerfeld, auf jeden Fall käme immer wieder der Name Hedi Slimane vor. Da dem Schreiber dieser Zeilen jedoch genauso wenig jemand ein Interesse an der aktuellen Entwicklung der Modewelt abnähme wie Britney Spears seelische Ausgewogenheit, lassen wir Hedi im Vorspann und versuchen uns auf die Musik der „These New Puritans“ zu konzentrieren.Eine Pyramide aus Beat – sowohl Schläge pro Minute als auch das Genre der Beatmusik können gemeint sein – soll das Album sein. Zum Rohrkrepierer kann es sich ebenso leicht entwickeln, wie zum ersten ernsthaften Anwärter auf das Album des Jahres.

Einerseits präsentiert die Band Dancepunk – aka New Rave – der gewöhnlichen Sorte. Es knallt und bollert. Zwischen !!! und Klaxons im engen Blickwinkel der 00er-Jahre spitzen sie diesen Stil zu, übertreiben ihn („C. 16th +-“), betonen seine Eigenschaften – Beats und Bässe –, drehen ihn andererseits auch gehörig durch den Wolf („En Papier“).

Geben sie so vor allem die neueste Entwicklung der Post-Punk-Post-New-Wave-Post-Electro-Welle ab, durchbrechen sie diese bösartige Schublade jedoch mit sehr bewussten Kanten, mit akustischer Aggressivität, mit Betonung aller einzelnen Instrumente abwechselnd und zusammen, um so eine zerstörende Atmosphäre zu erzeugen („Infinity ytinifni“), die eher an Mark E. Smiths The Fall, Neubauten oder Atari Teenage Riot geschult scheint, als an Gang Of Four, Interpol oder gar The Strokes.

Die zerstörten Momente bilden dann auch den starken Kern der „Beat Pyramid“. Wann immer (z. B. „Mkk 3“ oder die Essenz von „Navigate-Colours“) die Band zu sehr nach ihren heimischen Kollegen klingt, stellen sich schnell Übersättigung und Langeweile ein, da hilft dann auch nicht das Mantra gen Ende von „Navigate-Colours“. Die bekannten Muster werden zwar – vermutlich durch Gareth Jones‘ Produktion – anders betont, wirken anders gestrickt, aber dennoch drängen sich überall Vergleiche auf, die so vielseitig sind, wie die Hype-Projektionsflächen des NME über die letzten sieben Jahre.

Das Potential, die Extravaganz, die Ideenfülle, mit der sich These New Puritans auf „Beat Pyramid“ präsentieren, verspricht viel. Für zukünftige Alben. Für das Debüt bleibt abzuwarten, wie es sich auf der Langstrecke macht. Auf der Kurzstrecke führt es zu Atemlosigkeit, erhöhtem Adrenalinspiegel und Herzrasen.

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