Sascha Funke – Mango

Techno ist und bleibt ein Tanzflächensport. Doch immer mehr Künstler des Genres produzieren – neben Floor-orientierten 12’’s und Compilations – Alben, deren Orientierung eher dem Wohlfühlen in den eigenen vier Wänden – mögen diese so klein sein, wie ein Nissan Micra – oder der Schaffung ganz eigener Atmosphären dient.„This Bliss“ von Pantha Du Prince springt da ins Ohr und Sascha Funkes neuester Output „Mango“ zielt in die gleiche Richtung. Flächig pulsierend schafft der eröffnende Titeltrack gleich eine vertraute heimelige Atmosphäre. Wo sich gleich der erste Vorwurf anschließen mag: Zu sehr verweist dieser eben auf ähnlich gestrickte Alben der letzten zwei Jahre, seien es Pantha Du Prince oder auch das „Orchestra of Bubbles“.

Aber der Start sollte uns nur täuschen, gleich im Anschluss zeigt „We Are Facing The Sun“ zwar in einem durchaus als typisch BPitch Control zu bezeichnendem Stil, auch im Wohnzimmer können die ersten morgendlichen Sonnenstrahlen, wenn sie zwischen Bücherregalen und Plattensammlung hindurch scheinen, zu großen Gefühlen und Adrenalinausbrüchen verhelfen. Im Wechselspiel der Emotionen geht es mit „Feather“ zurück unter die einsperrenden Kopfhörer in das klangmalerische Kopfkino. Beeindruckend schichtet Funke hier Soundlandschaften über- und ineinander ohne den einigenden Beat zu vergessen. Ecken und Aufbrüche schaffen Spannung und überraschen. Neugier, Erwartung, Fieber dominieren immer wieder. In „Feather“ noch leicht befriedigt, reizt und reizt „Take a Chance With Me“, bis zur Mitte endlich die erholsame Aufhebung erfolgt.

Die Verbindung von purer Atmosphäre und Tanzbarkeit wohnen offenbar dem Genre in den ausgehenden 00er Jahren inne. „Double-Checked“ und „Lotre (Mehr Fleisch)“ betonen dabei mehr die Clubseite des Ganzen. Neben einheitlichen Elementen – den Vocalsamples – versuchen sie doch von unterschiedlichen Enden her, das Publikum zu animieren, und wirken dennoch beide ein wenig wie Fremdkörper in der bisher ziemlich geschlossenen Albumatmosphäre. Nicht, dass sie nicht ebenfalls gelungen wären, doch …

Da wirkt die sich wiederholende Gitarrenfigur in „Chemin des Figons“ wie eine beruhigende Massage, die Ausreißer ausgleicht und das emotionale Gleichgewicht wiederherstellt. Ein Zustand, aus dem uns die „Fortune Cookie Symphony“ behutsam in die Nacht oder ins Nirvana leitet.

Vertraut und doch neu, heimatlich und doch aufbrechend. Das ist „Mango“.

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