I Might Be Wrong – It Tends To Flow From High To Low

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Fangen wir mit numerischen Bewertung an. Ungelogen sollte I Might Be Wrongs „It Tends To Flow From High To Low“ im Grunde als ein  mehr als 80%iges Meisterwerk (also 8/10, 4/5, etcppp) angesiedelt werden. Warum ich mich dennoch nicht durchringen mag oder kann?

Bösartig ließen sich schon Band- und Albumname anführen, die beide aus verschiedenen Gründen beim Schreiber übel aufstoßen. Natürlich liegen da aber keine wirklichen Abwertungsgründe. Also?

Von „Always North“ bis „Library Day“ gehören die zehn Tracks des Albums mit zur besten deutschen Musik des Jahres 2007. Experimentell zauberhafter Pop zwischen Gitarren, Laptop und Keyboard. Emotional wirkende Soundskulpturen, zärtlich und zerbrechlich. Immer Lisa von Billerbecks Gesang betonend.

Einmal mehr zeigt sich auf dem Debüt die Qualität von Tobias Sieberts Produzententum, das ja bereits Phillip Boa, Delbo und Klez.E genießen durften. So werden die tragischen Momente erhabener und die optimistischen bejahender. Sollte das Label „Deutscher Indierock“ tatsächlich für einen bestimmten Stil stehen, so fallen I Might Be Wrong genau darunter.

So, wie auch The Notwist und Stella dazu gehören. Womit wir dann doch noch beim Kern des Problems angekommen sind. Die Verbindung von zarter Elektronik und Indierock, zwischen verspielt-zerstört und ganz großem Pop haben The Notwist auf „Neon Golden“ perfektioniert. Jede Band, die versucht, dieses Kapitel zu lernen, verfängt sich oder kommt zumindest den Fäden gefährlich nahe, die The Notwist da gesponnen haben. So erscheinen dann nicht nur die ersten Takte des Albums und weiteres zwischen „Always North“ und „Library Day“ das ein oder andere Mal vermeintlich vertraut, gemahnen an das eine Überalbum dieses Jahrzehnts aus Deutschland.

Klingt dann der Gesang der Frontfrau des Kollektivs gelegentlich, häufig, meist nach Elena Lange (ihres Zeichens Sängerin von Stella), bin ich als Rezensent gefangen. „It Tends To Flow From High To Low“ ist toll, fast sogar groß, spielt grandios mit den verschiedenen Einflüssen zwischen Electronica und Songwritertum, orientiert sich dann aber doch oft an – oder verliert sich sogar zu häufig in – den erwähnten Bezügen.

Wo Weilheim und Hamburg sich in Berlin treffen, entsteht Gutes, aber eben leider nicht Großes. So einfach lässt sich das sagen. Aber auch bei The Notwist hat es ein paar Jahre bis zum Meisterwerk gedauert, mal schauen, wann das Berliner Kollektiv einen wirklichen Geniestreich vorlegt.

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