Supermayer – Save The World

am

Was für ein Paket. Michael Mayer und Aksel Schaufler aka Superpitcher als Super-DJ-Duo in geheimer Mission. In Musik gegossen und als Comic-Strip-Booklet. “Supermayer Save The World.”

Ein stinknormaler Superheldentag zwischen Brainflakes zum Frühstück und Saturndays, dem Planeten mit dem aufregendsten Nachtleben. Doch bevor zu hart gefeiert wird, werden Super & Mayer aus den Armen von Alk & Mädels gerissen und müssen einen verlorenen Weltraum-Wolf, einen einsamen König und den Kölner Dom retten, und sich dabei nicht nur mit verdrogten Partyleichen rumschlagen. Also: eine Comic-Supergroup und ihre Abenteuer.

Klingt das faszinierend? Könnte das begeistern? Scheint das irgendwie bekannt? Irgendwie schon. Bei letzterem liegt der Hase im Pfeffer. Wäre nur das Konzept vertraut, gäbe es kaum ein Problem. Doch …

Beim ersten flüchtigen Hören begeistert die elektronische Vielfältigkeit zwischen Pop, Techno und elektronischen Experimenten. Aber schon beim zweiten Durchgang fesselt nur noch wenig. Zwischen spaßig-erzählerischen Interludes in DJ-Koze-Tradition (Fischmob, DJ Koze, Adolf Noise, International Pony) ergießen sich Mayer und Pitcher in vielfach überlangen Nummern verschiedener Couleur. Ist “The Art of Letting Go” noch relaxter Electronic-Funk – siehe wieder International Pony –, der langfristig bleiben dürfte, folgt mit “Saturndays” ein düster dröhnender Techno-Klotz, der zwar zunächst interessant klingt, nach fünf Minuten jedoch nur noch langweilt. Neu klingt anders. Gleiches gilt für “Planet of the Sick” und selbst das Drone-Monster “Two Of Us” in der Album-Version ermüdet trotz interessanter Soundästhetik.

Auf der Party sind alle drei vielleicht Knaller, aber dieses Album zeichnet – trotz aller Kritik – eben gerade seine nicht Tanzflur-reduzierte Vielseitigkeit aus, die von einem Zehnminüter (“Two Of Us”) ganz schön in die Enge getrieben wird. Dreinschlagen möchte ich auf Mayer und Schaufler bei “Us And Them”. Ähnelt das Supermayer-Konzept schon Damon Albarns Gorillaz, ist dieser Track melodisch und klanglich etwas arg nah bei diesen abgekupfert. Gut, dass mich da mein drittes und viertes Ohr in die Schranken weisen und berechtigt “Chicken Walk ’97” in den Raum rufen. Soll heißen, vielleicht klingen dies und die Gorillaz in gewissem Maße nach dem Wordsound-Sampler “Shake The Nations”.

Als größtes Problem über die gesamte Dauer von “Supermayer Save The World” erscheint die Überlänge fast aller Tracks. Eine zarte elektronische Ballade wie “Lonesome King” erstreckt sich über sechs Minuten (plus Interludes davor und danach), und der Samba-Science-Fiction-Soundtrack “Please Sunrise” braucht sogar acht Minuten. Dieser und “Cocktails For Two” beweisen zwar wie schon “The Art Of Letting Go”, zu was Supermayer in der Lage sind, aber retten tun sie das Album nicht.

So bleibt die Erkenntnis, das Supermayer-Konzept geht nicht auf, scheitert vielleicht am Größenwahn. Der Mut zum Durchbrechen des “eigenen” Techno-Umfelds blitzt immer wieder durch, das richtige Maß fehlt jedoch. Die Idee ist gut, aber Supermayer noch nicht bereit. Leider.

Advertisements