Zehn Meter Feldweg – Phantom Power

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Beim ersten Hören überwältigte mich die Albumeröffnung von „Phantom Power“, dem dritten Zehn Meter Feldweg Album. „Wir kriechen zwischen euren Wurzeln“ heißt der Song, der bei mir spontanen Brechreiz auslöste. Dieses Gefühl gesteigerten Unwohlseins hatte dabei nichts mit dem – dem englischen Album-Titel irgendwie widersprechenden – deutschen Text zu tun. Die subjektiven negativen Assoziationen hießen Kettcar und Tomte, die objektiv verzweifeln lassende dagegen nannte sich Boss Hoss.

Glücklicherweise relativiert sich dieser Eindruck und starte ich das Album direkt mit „Bohrer“ gibt es eigentlich relativ wenig, was gegen das Album spricht. Routiniert präsentierter Indiepop aus Deutschland, mit den nötigen Melodien und einer schrammeligen Rauhigkeit. Getragen von einer gewissen Melancholie in Text und Ton, weiß das zu gefallen, ohne groß zu begeistern. Schon beim dritten Lied drängt sich dennoch eine nicht zu ignorierende Langeweile auf. „Das ist nicht der Weg den wir gemeinsam gehen“ klingt wie vieles und in keiner Weise speziell. Stimmlich ein wenig in GHVC Wassern fahrend, erinnert die Gesamtstruktur des Songs arg an Hund am Strand, Leilanautik oder Fotos. Besonders der Hund und Leilanautik – letztere nicht zufällig ebenfalls aus Hamburg – haben schon einen verflucht ähnlichen Charakter. Was bei Leilanautik „1000 km“ heißt, nennt sich bei Zehn Meter Feldweg eben „Wo ist eigentlich die Elbe?“ Wäre ich unverschämt, würde ich behaupten, beide Songs stammten aus der gleichen Feder.

Positiv ließe sich anführen, aber gleichzeitig ebenso als Vorwurf formulieren, das Album klinge streckenweise, wie eine unausgereifte, sich noch finden müssende Version von Kante. Der Vorwurf wäre also der einer Kopie – oder eher vieler Kopien.

Egal, wie dem ist, für Indiepopper mit einer Vorliebe für deutschsprachige Bands, bietet „Phantom Power“ genug neues Material zum Gutfinden, alle anderen werden lieber die Finger davon lassen, oder einmal mehr mit Klaus Lage brummeln „Tausendmal berührt, Tausendmal ist nichts passiert“. Da hilft selbst „Der Ton ist an“ nicht weiter, das wahrscheinlich nächstbeste für einen potentiellen Hit, das im Feldwegrock-Kosmos zu erkennen ist.

Am Ende ist das viel besser, als es zum Beispiel die Sportfreunde Stiller jemals wieder werden dürften, aber gleichzeitig so harmlos – und von unglaublich vielen Bands zur Zeit (und in den letzten zehn Jahren) in der einen oder anderen Form präsentiert – dass der Griff zum Sampler „nackt vom fünfer“, auf dem die Band ebenfalls vertreten ist, mehr zu versprechen scheint.

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