Young Marble Giants – Colossal Youth

Eine Wiederveröffentlichung zu besprechen, ist bei Helga-Rockt.de unüblich, vor allem wenn das Album in den fast dreißig Jahren seit seinem ersten Erscheinen schon mehrfach diesen Zyklus durchlaufen hat. Doch bilden die 2007er Editionen des einzigen Young Marble Giants Album von 1980 „Colossal Youth“ einen Sonderfall. Denn, mehr, als das Album einfach noch mal herauszubringen, finden sich hier die gesammelten Werke der kurzlebigen „Kult“-Band Young Marble Giants auf zwei CDs.Die Zeit der musikalischen Revolutionen mit Gitarre war 1979 im Grunde vorbei. Elvis, die Beatles, die Stones, der Hard Rock, der Punk … was blieb, war all dies hinter sich zu lassen, ihm zu widersprechen, nicht zu rocken, sondern zu stoppen, sich in der Musik und sich selbst zu versenken, dabei die möglichen Einflüsse, insbesondere die Do-It-Yourself-Herangehensweisen des Punk, aber auch so diverse Genres wie Funk, Reggae und Jazz, aufzusaugen, und daraus etwas neues zu machen.

Insofern reden wir von Post-Punk, allerdings nur in einer zeitlichen Hinsicht und im Schubladendenken von Medien und Musikhörern. Die bemerkten Einflüsse aus Funk und Reggae im Rhythmus (höre z. B. „Include Me Out“) rechtfertigen die Kategorisierung im Vergleich zu Zeitgenossen wie Gang of Four oder den Post-Punk-Revival Bands um Interpol und Franz Ferdinand. Im Vergleich zu allem, was heute so pauschal als nach dem Punk seiend beschrieben wird, was zudem aber nur einen kleinen Teil der so zu bezeichnenden Musik ausmacht, im Vergleich dazu also wirkt das Album „Colossal Youth“ vom ersten Moment an anders, zeitlos. Die scheinbar minimalen Instrumental-Arrangements von Stuart und Phil Moxham, im Zusammenspiel mit Alison Stattons zartem und zurück gelehntem Gesang, verzaubern und fesseln. Zu den Paradebeispielen diesbezüglich zählt sicher die Album-Eröffnung „Searching for Mr. Right“.

Schon das eigentliche Album beeindruckt in seiner Vielseitigkeit und seiner vom ersten Moment an packenden Emotionalität, die sich in den technischen Beschreibungen der Musik kaum vermuten ließe. Doch spätestens, wenn der letzte instrumentale Ton von „Wind in the Rigging“ verklungen ist, genieße ich den Einblick den die beigelegte Sammlung der weiteren Young Marble Giants Veröffentlichungen (eine EP, eine Single) ermöglicht. Im zweiten Teil (einer Demo-Sammlung) kommt es zwar zu unnötigen Wiederholungen, doch zu Beginn erschließt sich noch mehr die Perfektion der warmen kleinen und unauffälligen Kompositionen dieser Band.

Eine Wiederveröffentlichung, gemacht für die Nerds, die aber glücklicherweise eben nicht nur dort punkten kann, sondern tief berührende, zeitlose Musik aus einer Zeit bietet, die viel zu leicht auf einige wenige Bands reduziert wird.

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