Troy Pierce – Gone Astray

am

Noch eine Platte aus dem Hause M_nus. Irreführend als EP deklariert, führt uns hier Troy Pierce durch ein pulsierendes Genre-Werk, das den Namen Minimal und die Familienbezeichnung Techno mehr als verdient. Wo das False-Album zwischenzeitlich fast an Shoelooking – äh –gazing – gemahnt, dominiert hier der abstrakte, reduzierte, treibende Beat.

Düster pumpend nimmt „Gone Astray“, beginnend mit „Lost On The Way To DC 10 (Berlin Version)“, sofort gefangen. Keine vier Minuten im Album vorangekommen, führt kein Weg mehr heraus. Gäbe es eine Musikrichtung des Wave-Techno, Pierces „Gone Astray EP“ gehörte ohne Zweifel zu den Meisterwerken. Weniger harmonisch und ineinander fließend als Falses „2007“, besitzt die CD dennoch eine ungeheure Spannung und Tiefe. Tempo und Klangstrukturen eines Tracks wie „Klitkut“ fesseln und setzen mit jedem Beat neue Energien frei. Musik, wie aus einer Science-Fiction-Vision einer regressiven Stammeskultur. Nervös zuckend lässt es uns am Rande des Abgrundes tanzen und zwingt fast zur Selbstaufgabe.

Ähnlich, aber strukturierter und eher aus den Tiefen des Abwassers im Untergrund kommend, folgt „Word“. Beängstigende tiefe Synthesizer unterlegen „Go Without Me (Stay Away)“. Immer aber bleibt das Ziel, uns zum Tanzen, zur Ekstase zu brignen.

An der nervösen Intensität von „Klitkut“ setzt „Even If It’s Alone (Black Acid)“ an. Ein Track, wie gemacht für eine THX oder sonstwie Soundanlage. Sounds über Sounds, es bleept aus allen Ecken, darüber rollt der Synthesizer. Trotz der Vielschichtigkeit dominiert immer eine klare Struktur den Gesamteindruck. Erst ist es das hohe Bleepen, dann im Wechsel damit ein verzerrter Schlagzeugsound, dann wieder ein beschleunigter Morse-Sound.

Ähnlich vielseitig/-schichtig, präsentiert Pierce „Golden“. Wie das ganze Album dominiert nicht die Einheitlichkeit eines Sounds, sondern eine gleichbleibende dunkle und vorangehende Stimmung. Die Funktionalität dieser Soundstrukturen verdeutlichen die beiden enthaltenen Remixe „Konrad Gets Lost On The Way To DC 10 (Konrad Black Remix)“ und „Even If It’s Alone (Black Acid) (Louderbach Remix).

Wie False und Pantha Du Prince beweist auch Troy Pierce, dass Techno bei entsprechender Auseinandersetzung mit (den Möglichkeiten) der Musik, eine emotionale und musikalische Dichte erreichen kann, die der im Alternative-Rock und –Pop in nichts nachsteht. Des Weiteren beweisen Matthew Dear aka False und Troy Pierce mit ihrem aktuellen Output: Die Aussage, Techno sei kein Genre für ganze Alben, ist falsch, falsch, falsch.

Advertisements