Mellow Mark – Metropolis

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Zeitreise. 2001 könnte es gewesen sein, vielleicht erst 2002. Die Freie und Hansestadt H erstickt gefühlt unter politischen Neuerungen. Der Linken und ihren Sympathisanten bis weit in die Mitte des Spektrums wird kräftig und verschiedentlich auf die Füße getreten. Der Protest verbindet sich mit dem Bedürfnis, eine gute Zeit zu haben. Deutsche Reggae Tunes sind gerade voll durchgestartet, alles fühlt sich ein wenig an, wie in der Karibik. Von den Lautsprecherwagen schallen immer wieder die gleichen Songs und werden zu subjektiven Hits. Einer davon „Dein Wort In Gottes Ohr“ von Mellow Marks Debüt-Album „Sturm“.

Heute. In Erinnerung geblieben von „Sturm“ ist weniger „Dein Wort“ und mehr „Revolution“ und Reggae. 2007 jedoch ist der Reggae aus Mellow Marks Musik – in der er, der Reggae, sowieso nie mehr als ein Mittel war – komplett verschwunden. „Metropolis“ heißt das dritte Album. Zwischen Soul und gitarrengetragenem Liedermachertum – aka Profession Singer/Songwriter – präsentiert MLO Mark ein deutsches Pop-Album, voller Referenzen an vergangene Zeiten und ferne Länder. Im Songwriting schon immer an Ton Steine Scherben geschult, wie so viele der seelenvollen Deutsch-Popper, wird der erwähnte Reggae abgelöst von kubanischen, spanischen und nordafrikanischen Rhythmen.

In seinen Texten klingt immer noch das Fernweh durch, ein Eskapismus, ein Widerstandsgedanke, jedoch tritt er nur zwischen den Zeilen hervor und drängt sich nicht, wie zum Beispiel auf dem Debüt, in den Vordergrund. Wie diese Texte, so gleitet auch das Songwriting gelegentlich ins Peinliche ab. In beiderlei Hinsicht besonders hervorzuheben, sind dabei „Layla“ und „Havanna“. Songs, die den Gesamteindruck des Albums bei den ersten Hördurchgängen bestimmen. Viele Versuche, Buena Vista Social Club zu sein, die mehr oder weniger scheitern, scheint es zunächst. Überhaupt braucht es seine Zeit, dies Album zu mögen. Zu einfach, zu langweilig, zu häufig gehört und zu…peinlich scheint das alles zu sein. Lagerfeuer-, Surfer- und Sozialromantik drängen sich in den Vordergrund. Wer mit Jack Johnson wenig bis nichts anfangen kann, wird hier verzweifeln, bzw. auch nicht eines besseren belehrt werden. Dessen Zielgruppe jedoch ist genau die, welche aus Mellow Marks „Metropolis“ einen Überraschungserfolg machen könnte.

Häufig genug gehört, als Begleitung hier und da, dort und andernorts, schälen sich dennoch unter all den ersten Eindrücken kleine Perlen deutschsprachigen Soul-Pops hervor. So wächst das Album von Tag zu Tag. Von „miserabel“ zu „annehmbar“ zu inzwischen „eigentlich ganz gut“.

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