Maps – We Can Create

am

Irgendwo im Radio wurde in den letzten Wochen zwischen den Zeilen ein Shoegazing-Revival ausgerufen. Spätestens seit The Jesus and the Mary Chain ihre Reunion verkündeten, schleicht sich der Begriff immer wieder in die Texte der deutschen und internationalen Musikpresse. Shoegazer, Dreampop, Noisepop, so unterschiedlich wie die Namen suggerieren, sind die Bands, die in diese Schublade gesteckt werden. Neben den Gebrüdern Reid kuscheln sich Ride, Cocteau Twins, My Bloody Valentine, Spiritualized, Spacemen 3 und andere. Zu sagen, der Stil sei ausgestorben, wäre eine Lüge, lebt doch vieles oder alles davon, nicht nur im Post-Rock sondern ebenso bei vielen elektronischen Künstlern weiter.Genau an der Stelle setzt Maps an. Maps, das ist vor allem James Chapman, ein junger Brite aus Northampton, der von sich behauptet, Musik von vor 1989 interessiere ihn nicht, Neues zu entdecken, sei viel spannender. Entsprechend findet sich in „We Can Create“ fast so viel M83 wie My Bloody Valentine, soviel Sigur Rós wie Spiritualized.

Von Anfang an zieht uns Chapman mit seinem sphärischen Pop aus Soundcollagen und tiefen Polstern in seinen Bann. Mehr Dream als Noise auf weiten Strecken der Platte, weiß doch zumindest die Eröffnung „So Low, So High“ mitzureißen, und das trotz pompöser Streicher- und Choralarrangements. Tanzbar und hypnotisch steigert sich das Album in „You Don’t Know Her Name“, verwinkelt sich und verspricht großartiges. In den ersten sieben Minuten gewinnen Maps. Danach kann ich das Album nicht mehr schlecht finden, nein, bis zu diesem Punkt schiebt es sich ganz weit vor in der Liste der großen Hoffnungen für die Zukunft.

Im Folgenden nimmt „Elouise“ das Tempo heraus, bewahrt aber die hypnotische, traumhafte und –wandlerische Atmosphäre. Vielseitigkeit versprechend, zeigt sich doch hier der Weg, den das Album weiter gehen wird. Als sei er auf Schienen unterwegs, führt hiervon nicht mehr viel weg. Selbst ein sich tief vor Portishead verneigendes „It Will Find You“ bleibt dieser Linie treu, rumpelt nur gelegentlich – um im Bild zu bleiben – über alte Weichen. Dieses Rucken fehlt bei „Glory Verse“, einer Hymne, zum Heulen schön, verträumt bis in die letzte Rundung. Ähnlich zeigt sich „Liquid Sugar“, bevor mit „To the Sky“ der erste von zwei Tracks folgt, die Chapman bereits im letzten Jahr als Single selbst veröffentlichte. Der zweite ist „Lost My Soul“. Beides Songs, die vieles versprechen, was das Album einlöst, aber eben auch einen Hauch mehr. Zum Beispiel eine weitere Erforschung nicht nur der neueren elektronisch-psychedelischen Klänge, sondern ein Einbeziehen noch früherer Ideen, nämlich den 60er und 70er-Jahren entspringenden. Den Charakter, sowohl der beatlastigen Traumtänzereien, wie der hinein- und hinabziehenden Träumereien, die das Album ausmachen, belegt jedoch am besten „Back + Forth“. Ein Song, der einen, ohne zu überlegen, das Album kaufen lässt.

Monotonie muss ich James Chapman und seinem Produzenten Valgeir Sigurdsson vorwerfen. Genialität versprüht „We Can Create“ dennoch an allen Ecken und Enden. Musik für die düsteren Momente, für lange Wege, für die Stellen des Lebens, in der Musik dich einhüllen soll, dich schützen muss, vor äußeren Einflüssen. Ein beeindruckendes Debüt, das der diesjährigen Party-Manie entgegensteht, das nicht die Ekstase feiert, sondern auffordert, sich in sich zu kehren, die Welt auszusperren und der eigenen Kreativität die Schleusen zu öffnen.

Advertisements