Kula Shaker – Strangefolk

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„Ich denke, die Welt ist heute in vieler Hinsicht aufregender als vor zehn Jahren. Krieg, Unterdrückung, Massenkommunikationsmittel, geradezu albern knappe Jeans…“, sagt Crispian Mills, Sänger von Kula Shaker.Das Debütalbum – „K“ – überzeugte und begeisterte, verstörte mit indischen Klängen und bescherte uns „Govinda“, einen im Rückblick noch besseren Song als er eh schon damals war. Das zweite Album kam 1999 und floppte – mehr oder weniger. Die Band löste sich auf.

Heute ist es also interessanter als damals. Vielleicht passt deshalb das dritte Kula Shaker Album ebenfalls besser in die heutige Zeit. Wären sie eine neue Band, wären sie ein Hype-Kandidat, würden in Blogs gefeiert und jeden Tag dreistellige Zuwachsraten bei ihren Myspace-Freunden haben. So aber könnten sie das Schicksal von Idlewild teilen, die ein gutes Album produzieren und kaum wahrgenommen werden. Zum Debüt genau richtig, zum zweiten Album zu früh, zum zweiten Frühling zu spät.

Aber solche Befürchtungen sind erst einmal doch zu voreilig, denn „Strangefolk“ kommt uns erstaunlich eingängig poppig und doch voller Klippen und Überraschungen ins Haus. Weiterhin am psychedelischen Sound der späten Sechziger orientiert, immer noch mit genügend indischen Klangreferenzen. Perfekt produziert, finden sich wunderbare Indiehymnen, neben klassischen Lederjacken-Rockern und folkig angehauchten Referenzen an die amerikanischen Sixties. Reif geworden, plündert sich die Band – in halbwegs Originalbesetzung – durch den Gemischtwarenladen britischer (der 90er) und amerikanischer (der 60er und 70er) Pop- und Rock-Musik.

Das ist genau so wenig aufregend, wie es sein muss, um zu begeistern. Beim ersten Hören noch überrascht, zieht einen der zweite Hördurchgang schon von den ersten verzerrten Takten von „Out On The Highway“ in seinen Bann. Wie schon Idlewild, präsentieren Kula Shaker hier ein zeitgemäßes, voran rockendes, poppiges Album, das mitreißt, fasziniert und ohne übermäßige Sound-Eskapaden auskommt. Ohne zu kopieren, transportieren sie die Klänge der 60er in die 90er, und die Songs beider Dekaden, ins – nun schon etwas ältere – neue Jahrzehnt.

Ein gutes Album, definitiv. Halbwertszeit? Vielleicht nicht ganz so lang wie von „K“, aber nah ran kommen, dürfte es.

Ach so, die einleitende Aussage von Mills endet so: „…davon lebt doch der Rock’n’Roll.“ Interessante Musik in einer frustrierend interessanten Zeit? Kann man so sehen.

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