Hexstatic – When Robots Go Bad

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Es ist schon erstaunlich, wie unterschiedlich Urteile zu ähnlicher Musik von verschiedenen Künstlern aussehen können. Da wären auf der einen Seite Digitalism und Justice, die Retter des Electroclash, die Heroen des neuen Rave. Entgegengesetzt dazu ließen sich Hexstatice (Stuart Warren Hill und Robin Brunson) anführen, die von dem einen oder anderen Verfechter des knarzenden Raverocks schon mal als einfach nur schlecht oder zumindest vorhersehbar bezeichnet werden.

Dabei machen Hill und Brunson sehr ähnliches, wie zum Beispiel die beiden Hamburger von Digitalism. Nur aus irgendeinem Grund erfahren sie eben keinen Hype, dafür sind sie schon zehn Jahre zu lange im Geschäft. Wie bei ihren umjubelten Kollegen, schmeißt uns schon die Eröffnung „Red Laser Beam“ mitten hinein in eine einzige quergerührte Suppe aus Gitarrensamples und Synthesizer-Sounds, die irgendwo zwischen Big Beat und Daft Punk House die Körper zum Schwitzen bringen. Nachfolgend rechtfertigt „Roll Over“ einerseits alle Vorwürfe – erinnert es doch ein wenig an Kosheen – andererseits aber rettet es das Album vor der bei einigen Kollegen aufkommenden Monotonie des immer wiederholten Rave-Rezepts. Diese Soße in (begeisternder) Perfektion liefert jedoch erneut „Tokyo Traffic“. So frage ich mich, wieso dieser Ninjatune-Act eigentlich nicht das Melt! rocken durfte. Gepasst hätte es, zwischen Goose und Hot Chip oder auch Digitalism und Simian Mobile Disco.

Ungebremst geht es weiter in das an Peaches erinnernde „Freak Me“, das mit B+ die zweite – nach Sabirajade in „Roll Over“ – Vokalistin des Albums einführt. Neben diesen beiden sind zudem der schottische MC Profisee sowie Ema J auf einzelnen Tracks vertreten. Die große Überraschung folgt jedoch in „TLC“. Sphärisch chillend startet es, um sich mit kantigen Beats und gebrochenen Rhythmen in einen harmonisch dahinfließenden Drum’n’Bass-Track zu verwandeln. Wie sehr das Duo zu Ninjatune passt, zeigt sich in „Move On“, das zwischen Grime und Timbaland-Schule den UK-Garage auf „When Robots Go Bad“ bringt.

So weit haben sich diverse Genres und Sub-Genres gezeigt, und als ob sich Hexstatic nicht wirklich entscheiden können, was sie wirklich machen wollen, kommt in „A Different Place“ eines mehr hinzu. Irgendwo zwischen EBM, Euro-Dance-Beats und Chill-Out versteckt sich eine zierliche Pop-Nummer. Einmal mehr lässt sich hier fragen, wieso für die Macher dieses wilden Mischmaschs elektronisch inspirierter Musik auf keinem deutschen Electro-Festival in diesem Jahr Platz war. Gleichzeitig verdeutlicht diese Vielseitigkeit oder Unentschlossenheit aber, warum einige Rezensenten mit dem Album nicht zu viel anfangen können. Eine End-90er Breakdance-Nummer und weitere EBM-angehauchte Tracks betonen das weiter, bevor uns mit „Newaves“ und „Bust“ wieder der Synthesizer-Rave aus dem Album rausschmeißt.

Alles in allem ein Album, das vielseitiger ist als manches, das dieses Jahr als neuer heißer Scheiß verkauft wird, das aber ebenso die eine oder andere Schwäche besitzt.

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