False – 2007

Besprechungen reiner – klassischer – Techno-Platten, oder Veröffentlichungen eines der vielen Sub-Genres dieser Spielart elektronischer Musik, sind an dieser Stelle selten zu finden. Wenn sich denn ein Techno-Album hierher verirrt, hat es zuvor andernorts für entsprechendes Aufsehen gesorgt, und die Aufmerksamkeit der Rock-sozialisierten Nerds erregt.Solch anderen Orte wären vor allem natürlich die Genre-ignorierenden Magazine Intro und Spex, aber einmal im Jahr erfüllt das Melt! diese Funktion. Dieses Jahr lenkte es bereits im Vorfeld den Blick auf Richie Hawtins Label M_nus.

Eine heute vorzustellende Veröffentlichung aus dem Haus, das versucht, mit minimalen Klängen maximale Ergebnisse – soll heißen: Begeisterung – zu erzeugen, ist Matthew Dears Album „2007“ – unter seinem Pseudonym False veröffentlicht.

Wenn M_nus vor allem als eine Heimat des Minimal Techno gilt, zeigt Dear hier doch eine beeindruckende Fülle elektronischer Vielschichtigkeit, die, wie die The Field, Pantha Du Prince und Trentemøller Alben, die Aufmerksamkeit der an sphärischen Klängen interessierten Indies erregen sollte.

Wo die ersten zehn Minuten sich erst langsam entfalten und minimalistische Aufwärmübungen zu sein scheinen, zieht das Anschließende „Alright Liar“ uns langsam in seinen hypnotischen Bann und führt zu ersten nervösen Zuckungen der Tanzmuskel. Erstaunlich ist bis hierhin bereits – und bleibt für den Rest des Albums – wie harmonisch Dear uns von einem Track in den nächsten führt, uns und unsere Hörgewohnheiten in die Entwicklung seiner Musik einbezieht. Als habe er uns, wie von einem DJ-Pult aus sehen können, während das Album entstand. So nimmt die Spannung zu, der Rhythmus wird schneller, einzelne Nervenzellen jauchzen bereits und strecken die Arme jubelnd in die Luft. Spätestens mit „Face The Rain“ liegen die Zellen False aka Dear zu Füßen. Hypnotisch treibende Beats und sphärische Loops begeistern.

Mit der Hälfte und dem Übergang zu „Dollar Down“ werden die minimalen Beats durch weitere Sounds ergänzt. Immer vielfältiger, experimenteller und faszinierender entwickelt sich das Album im Folgenden. Es durchbricht die Charakteristika seines Sub-Genres und erklärt, wieso Dears Werk durchaus auch unter Glitch einsortiert wird. Lässt „Disease/George Washington“ uns eher pausieren, startet „Act Like Children/Excalibur“ durch und lässt uns in den verwinkelten Soundstrukturen verlieren, bevor „In The Heather“ uns auf den grandiosen Sound-Kosmos von „Fed on Youth…“ vorbereitet. Kampfjets, Autobahn, Autorennstrecke. Hypnotisch fiebernd. Der Beat fesselt. Alles passt, so dass wir vollkommen in der letzten Viertelstunde des Albums aufgehen können.

Minimal zu Beginn, psychedelisch bedrogt auch ohne Chemikalien in der zweiten Hälfte. Ziemlich beeindruckend.

Advertisements