Thief – Sunchild

am

Unauffällig und nett. In einzelnen seltenen Momenten mitreißend, voller Energie und fantastischer Melodien. So lässt sich „Sunchild“ von Thief beschreiben.
„Jazzanova“ haben sich in den letzten zehn Jahren einen Namen im Bereich des Nu-Jazz und Chill-Out Betriebs, bis hin zum tanzbareren elektronischen Jazz, gemacht. Wenn nun zwei Mitglieder des Berliner Kollektivs (Stefan Leisering und Axel Reinemer – beide als „Extended Spirit“ aktiv) zusammen mit Songwriter Sascha Gottschalk ein folk-inspiriertes Popalbum herausbringen, das jedoch ihre Hintergründe in Electronica und Jazz nicht verleugnet, so ließe das Großes erwarten. Jenseits von Melua und Jones könnte man ein an Anna Ternheim erinnerndes und sie vielleicht sogar übertreffendes – weil vielseitigeres – Werk erhoffen.

Freundlich gesonnen lassen sich in der Tat die vielseitigen Referenzen nachvollziehen, die „Thief“ in ihrem MySpace-Profil angeben: von Beatles über Coldcut, bis Cody Chessnutt oder Matthew Herbert, und Buffalo Springfield bis Can. Dennoch erfüllt „Sunchild“ die Erwartungen nicht. Alles in allem versteckt sich zwischen Titeltrack und seiner Reprise eine ruhige, „chillige“, unaufgeregte und streckenweise sogar langweilige Folk-trifft-Jazz-trifft-Sixties-Mischung, die um so weniger überzeugt, je jazziger („Self Portrait“) sie daherkommt, und die am besten ist, wenn sie tief in den späten Sechzigern plündert („Hold On, Hold On“) oder sich aber der elektronische Extended Spirit Hintergrund hervorschält und vollständig auf klassische Instrumente verzichtet wird. Dieser Fall tritt bei „Somewhere“ ein, einer Nummer, die fast an die „Junior Boys“ gemahnt.

Stefan Leisering betont, die Stücke seien eben nicht für die Tanzfläche gedacht, sollten nicht noch nach acht Minuten überraschen müssen. Es gehe vielmehr jeweils um den Song an sich, um „musikalische Substanz“. Die zwölf Stücke auf „Sunchild“ besitzen diese Substanz sicherlich. Das Problem mag darin bestehen, dass die drei Diebe uns nicht wirklich daran teilhaben lassen, die Lieder erscheinen wie abgeschlossene Einheiten, die für sich selbst stehen sollen, als (Kunst-)Werke. Sie berühren nicht, lassen uns nicht eins werden mit der Musik.

Am Ende bleibt „Sunchild“ ein nie wirklich schlechtes Album, das jedoch in der Vielzahl gleichwertiger und vor allem besserer Veröffentlichungen keinen bleibenden Eindruck hinterlässt, sondern auf dem Stapel der Platten versauert, die man eigentlich öfter hören sollte.

Advertisements