Dizzee Rascal – Maths & English

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Dizzee ist Dizzee bleibt Dizzee. Anders formuliert, klein Dylan – und klein ist er trotz seines nun mehr dritten Albums „Maths & English“ – noch immer. Grime auf hohem Niveau, UK-HipHop als Botschaft über sich und sein – ehemaliges – Leben. Aber leider bleibt es dabei. Dizzee hat sein altes Viertel und seine alten Kumpel um Roll Deep und deren Mastermind Wiley offenbar hinter sich gelassen. Das beidseitige Herabwürdigen wirkt nicht wirklich überzeugend, das können die Amis und die Deutschen Rapper besser.

Auf „Maths & English“ macht Dizzee alles wie bisher: Hypnotische und synthetische, vor allem aber verquere und schwer zu verfolgende Beats verbinden sich mit seinen unverwechselbaren Raps; gleichzeitig jedoch versucht er den von ihm eigentlich längst eroberten Mainstream sich noch mehr untertan zu machen, leider. Innovation ist somit nur insofern vorhanden, als er poppiger – und / oder amerikanischer – wird. Gelegentlich reißt das mit, häufig wirkt es gezwungen und strengt an.

Schon „Pussyole (Old Skool)“ mit seinem Funk-Sample („Think“, Lyn Collins, bzw. James Brown) erscheint weniger als Verbeugung, denn mehr als Nutzbarmachung bekannter Soundstrukturen. Noch viel mehr gilt dies für die erste Single „Sirens“, die gnadenlos sowohl den Old Skool als auch neuere HipHop Hits nicht plündert aber doch versucht so zu klingen. Die Gitarren klingen eins zu eins wie in Samples der frühen 90er (ob nun N.W.A oder Public Enemy ist egal) und wurden so bereits von Rick Rubin und Jay-Z für 99 Problems wieder ausgepackt. Wenn dann die Info zum Track noch Korn als Inspiration heranzieht – als Synonym für Mitt-90er „Rap meets Rock“ oder Crossover –, so geht dies kaum als Qualitätsmerkmal durch. „Where’s Da G’s“ wiederum bedurfte der Unterstützung der Texaner Bun B und Pimp C nicht wirklich, sie ergänzen sich auf dem Track zwar fast kongenial mit Dizzee, wirken aber doch vor allem wie Lockstoffe für den amerikanischen Markt.

Da wirkt der pure Dizzee in „Paranoid“ fast erholsam. Hypnotisch blubbert der Beat, Atemlos rappt sich Dizzee durch den zähen Synthie-Sumpf. Ähnlich geht es dem – natürlich lyrisch eher zweifelhaft explizitem – „Suck My Dick“. Zwar mögen die Versuche zu singen etwas ungewohnt wirken, aber stören tun sie nicht. Eher verwundert schon das Yankee-Doodle-Flötensolo.

Der amerikanische Markt ist versorgt, wenden wir uns den heimischen Tanzflächen zu, könnte die Devise für die folgenden Tracks gewesen sein. „Flex“ entert den Gehörgang im klassischen 2Step – nein ich erwähne jetzt nicht Artful Dodger als Erklärung – und „Da Feelin’“ ist so altmodischer Drum’n’Bass inklusive Polizei-Sirene, dass es nicht nur umwerfend genial sondern einfach nur heiß heiß heiß ist. Da freut man sich aufs Melt! 2007 oder jedwede andere Open Air Tanzveranstaltung mit entsprechenden Sounds.

Nach drei hochklassigen Dizzee-Tracks inklusive Album-Höhepunkt „Hardback (Industry)“ folgen die unnötigsten Features des Albums, auf der einen Seite der arktische Affe Alex Turner („Temptation“) und zudem Lily Allen („Wanna Be“) bevor „U Can’t Tell Me Nuffin’“ den Bogen zu „Boy In Da Corner“ und „Showtime“ – Dizzees bisherigen Album schlägt – und gleichzeitig feststellen lässt, wie schon von Mike Skinner aka The Streets, darf man von Dylan Mills aka Dizzee Rascal nicht einen Innovations-Höhepunkt nach dem nächsten erwarten und muss sich auch mal mit einem nur einfach guten Album zufrieden geben.

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