Melt! 2007 Vorbericht

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Sachsen-Anhalt mangelt es nicht an kulturellen Reichtümern. Der Magdeburger Dom, das Gartenreich Wörlitz und das Bauhaus in Dessau bilden da nur die Speerspitze. Seit 1995 Jahren gehört Ferropolis – die Stadt aus Eisen – dazu, und seit 1999 findet dort das Melt!-Festival statt.

Nach Anfängen in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern beheimatet Ferropolis 2007 nun den zehnten Geburtstag dieses außergewöhnlichsten deutschen Open Air Festivals. Das Geheimnis des Erfolges, des Charmes und der Faszination dieser Veranstaltung liegt nicht nur in der Kulisse ,sondern ebenso in dem jedes Jahr aufs neue überraschenden und vor allem vielseitigen Programm, das von den Melt!-Machern seit 2004 in Kooperation mit Intro und Intro-Herausgeber Matthias Hörstmann zusammengestellt wird. Die Kombination aus beidem, aus bekannten und weniger bekannten Künstlern aller verschiedenen Genres alternativer populärer Musik (egal ob Electro, Sprechgesang oder Gitarren) und der Kulisse des Industriedenkmals aus Braunkohlebaggern und künstlichem See, diese Mischung, das Verschmelzen all dieser Umstände machen das Melt! zu dem, was es für die deutsche Festivallandschaft ist. So wundert es nicht, dass Ferropolis 2006 zur herausragendsten Veranstaltungsstätte gewählt wird und das Festival muss sich ebenso wenig verstecken. Dies nicht zuletzt, da die Kulisse und die auftretenden Acts in den vergangenen Jahren immer wieder in atemberaubende Visuals getaucht wurden.

Das zehnte Jubiläum des Festes begehen die Veranstalter mit einem mutigen Line-Up. Mutig, weil die großen Namen aller vertretenden Genres fehlen. Statt Underworld, Wir Sind Helden, Roisin Murphy und Bright Eyes vs. The Faint 2005, oder sogar Pet Shop Boys, Aphex Twin und The Streets 2006, stehen zum Geburtstag Motorpsycho, Kelis und Black Rebel Motorcycle Club im Zentrum des Line Ups. Aber bei fünf Bühnen an zwei Tagen, die von 15 Uhr am Nachmittag bis 7 Uhr früh bespielt werden, bei einem Programm, das kleine Highlights von Pop über Rock über HipHop über Grime über Experimentelle Electronica bis hin zu hedonistisch entfesseltem Rave bietet, bei solchen Rahmenbedingungen stehen die so genannten Headliner eher als Namen auf einem Plakat, als dass sie der Grund sind, das Festival zu besuchen. Wie immer gibt es natürlich Bands und Künstler, die man sich gewünscht hätte, Wünsche, die erfüllt wurden und Hoffnungen, die doch auf letzte Sekunde noch befriedigt werden mögen. Betrachtet man jedoch – halbwegs objektiv – den Timetable, so besteht wie schon in den vergangenen Jahren das Problem darin, nicht alles sehen zu können, was man sehen möchte. Kein Wunder bei dem Line Up, das trotz allen Mutes so viele bekannte Namen umfasst, dass eine Auflistung einfacher durch ein Plakat des Festivals ersetzt würde.

Ob es nun Olli Schulz, I’m From Barcelona, The Dance Inc., Jamie T, Final Fantasy, Navel, ClickClickDecker, Jeans Team, Kettcar, Ragazzi, Justine Electra, Von Südenfed, The Notwist, Puppetmastaz, Ladytron, Motorpsycho, Ladytron, Autechre, Lady Sovereign, Tiefschwarz, Dendemann, The Thermals, Dizzee Rascal, DJ Koze, Alec Empire & The Hellish Vortex, Goldie & MC LoQui, Wighnomy Brothers, Richie Hawtin und andere am Freitag sind, oder aber am Samstag Walter Schreifels, Shir Khan, Virginia Jetzt!, Le Hammond Inferno, The Jai Alai Savant, Werle & Stankowski, Shout Out Louds, Erase Errata, Jake The Rapper, Stereo Total, The Rifles, Hot Chip, Anajo, Lo-Fi-Fnk, The Presets, Tocotronic, Hey Willpower, Polarkreis 18, Mouse on Mars, B.R.M.C., Kelis, Trentemøller (live), Michael Mayer, The Horrors, Shitdisco, Simian Mobile Disco (live), UNKLE (live), Jan Delay & Disko No. 1, Snap!, Deichkind, Tiga, Digitalism, Goose, Patrick Pulsinger, Marcus Intalex, Hell und andere, die 60 Euro (plus Gebühren) für ein Festivalticket im Vorverkauf (75 Euro an der Abendkasse) oder 38 Euro je Tag im Vorverkauf (plus Gebühren oder 40 Euro an der Abendkasse) sind gut investiert, denn eine solch umfassende Verschmelzung der musikalischen Genres wird sich bis zum Juli 2008 kein zweites Mal in erreichbarer Nähe finden.

Bei einer bisher niemals ausgenutzten maximalen Kapazität von 15000 Besuchern, besteht zudem wenig Gefahr eines Ausverkaufs, doch bietet ein Ticket-Kauf im Vorverkauf den Veranstaltern Planungssicherheit. Natürlich inklusive in den Ticketpreisen ist Parken und Camping, aber seit 2006 auch mindestens ein Bad im Gremminer See und sowieso ein unvergessliches Erlebnis – oder „die schönste Zeit der Welt!“

Für all die Westdeutschen Zweifler, für die Sachsen-Anhalt selbst nach 17 Jahren noch nicht wirklich zur erforschten Welt gehören mag, sei die Besucherstruktur betont, bei der ein Großteil der Besucher aus NRW, Berlin, Hamburg und Bayern kommen. Auch die Anfahrt kann eigentlich niemandem ein Hinderungsgrund sein, sind doch Dessau, Gräfenhainichen und Ferropolis nicht nur mit dem ÖPNV gut zu erreichen, sondern ist die Anfahrt über die A9 auch mit dem Auto mehr als einfach. Die wichtigsten Informationen finden sich natürlich unter http://www.meltfestival.de. Zudem gibt http://www.myspace.com/meltfestival die Verbindungen zu den Freunden und auftretenden Acts des Melt!

Wie schon beim Hurricane finden sich im Helga-Forum, die Nutzer, die im Anblick des Line-Ups am liebsten ihre gesamte Jahres- und in diesem Fall sogar Lebensplanung über den Haufen werfen würden, aber man muss Prioritäten setzen, der Bund fürs Leben oder zwei durchtanzte Nächte. Ich weiß, was ich wähle … und es hat mit mehr als zwei Menschen zu tun.

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