Timbaland Presents Shock Value

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Das Fazit vorneweg. Selbst wenn Timbaland mit seinen Produktionen nicht nur für Justin Timberlake und Nelly Furtado sondern auch für die Pussycat Dolls sicherlich die Sounds und Songs des Jahres 2006 geschaffen hat, ist sein eigenes Album „Shock Value“ wohl nichts, was als langfristiges Meisterwerk überleben wird.
Natürlich – und das zeigt schon die Vorabsingle „Give It To Me“ feat. Timberlake und Furtado – glänzt das Album mit dem Klang, den Beats und den Effekten, die schon Justins und Nellys Alben wie auch Singles so hörenswert und speziell machten. Aber eben nur damit. Das ändert nichts an der Qualität der Mehrzahl der Songs, es zeigt jedoch – was zu befürchten war –, auch Timbaland kocht nur mit Wasser. Positiv formuliert, ließe sich die klangliche Ähnlichkeit der Albumtracks natürlich als harmonische Albumstruktur bezeichnen, was zuträfe, entspräche diese gleichförmige Atmosphäre nicht eben auch dem was schon Justins und Nellys Alben ausmachte und eben auch „Wait A Minute“ von den Pussycat Dolls. Wie also schon Mitte der 90er zeigt Timbaland eine einheitlich Signatur, die sich nur in den schnelllebigen Zeiten des Jahres 2007 als zu gleich bleibend entpuppt.

Das Album „Shock Value“ lässt sich im groben in drei bis vier Kapitel einteilen. Zum einen finden sich die traditionellen Black Music (Hip Hop und R’n’B) Tracks, daneben gibt es die Superstar-features, die am meisten von Timbas „Unterschrift“ profitieren. Des Weiteren ziehen sich Tracks mit seinen Lieblingsnachwuchs-Künstlern Sebastian und Keri Hilson über das ganze Album, und gen Ende lädt Timbaland sich Künstler ein, die das Spektrum der Black Music massiv durchbrechen – She Wants Revenge, die notorischen Fall Out Boy, sowie The Hives und Elton John. So wird Timbaland presents Shock Value zu einem All-Star-Feature, dem der kommerzielle Erfolg natürlich nicht verwehrt bleiben wird. Nicht nur die Popper werden es kaufen, die Jam FM Hörer werden ebenfalls gelockt mit Künstlern wie Dr. Dre, Timbalands Homies Missy Elliott und Magoo, der Obermuschikatzenpuppe Nicole Scherzinger und dem unsäglichen 50 Cent. Alle Sänger und Sängerinnen überzeugen – natürlich – mehr oder weniger. Timbaland selbst hält sich meist zurück und reduziert seine Raps auf einen Strophe, allein der Opener „Oh Timbaland“ gehört ihm allein und Beattechnisch zu den Highlights – oder liegt das nur an dem Nina Simone Sample?

Aus dem – durchaus hochwertigem, aber bekanntem – Einerlei stechen nicht zu viele Tracks positiv oder negativ heraus. Am meisten überrascht dabei sicherlich „Time“ feat. She Wants Revenge. Im Gegensatz zu gezwungenen Crossover von „Throw It On Me“ mit den Hives ist ersterer eine stimmig düstere Rock’n’Soul-Nummer. Ebenfalls musikalisch überrascht die Timbaland’sche „2 Man Show“ mit Elton John. Mr. Mosleys Raps sind zwar unnötig, der Gospel-Chor jedoch gut und Beats und Elton Johns Piano passgenau. Vergessenswert sind außer dem Hives-Feature die Nummern mit Fall Out Boy bzw. 50 Cent & Tony Yayo. „Release“ mit Justin hätte auch auf dessen Album platz gefunden und bei „Bounce“ verkaufen sich alle Mitwirkenden – d. h. Missy, Dre, Justin und Timbaland – unter Preis. „The Way I Are“ dreht sich zwar ebenfalls um die von Justins Album bekannten Motive und Techniken, bietet aber mit Keri Hilsons, Timbalands und D.O.E.s Vocals einen interessanten gesanglichen, raptechnischen Dreiklang, der ihn aus dem Album hervorhebt. Nicht nur „Kill Yourself“ und „Boardmeeting“ bieten wenig spektakuläre Black Music, außer dass auf letzterem Timbaland und sein alter Protege Magoo wieder zusammen zu hören sind. Unter den R’n’B Balladen sticht vor allem „Scream“ mit Nicole Scherzinger und Keri Hilson positiv hervor. Unter allen der Black Music verwandten Tracks überrascht am meisten der Bollywood Sounds verwendende „Bombay“ mit Amar und Jim Beanz.

Am Ende bleibt dann nur die Hoffnung, dass Timbalands für Björk produzierte Tracks innovativer, weiter entwickelter daher kommen, als das meiste auf „Shock Value“.

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