The Field – From Here We Go Sublime

Innerhalb der Veröffentlichungsflut, die sich Woche für Woche ergießt, den Überblick zu behalten, ist schwer. Wenn Magazine und Webseiten ihr bestes versuchen, vor allem im Bezug auf Gitarrenorientiertem Pop und Rock uns auf dem Laufenden zu halten, erscheint es noch hoffnungsloser auch im Bezug auf elektronische Musik von Techno bis Breakbeat einen Überblick zu behalten, nicht zuletzt da es sich dabei doch um eher 12“ Maxi-Single orientierte Genres handelt.

Um so mehr erstaunt es, wenn ein elektronisches Album unter Gitarrensozialisierten Musik-Nerds einen Eindruck hinterlässt. The Knife und Ellen Allien & Apparat gelang dies 2006. Der Schwede Axel Willner aka The Field scheint dies mit „From Here We Go Sublime“ nun ebenfalls zu schaffen. Natürlich hat elektronische Musik im letzten Jahrzehnt immer mehr der Gitarren-Fuzzis überzeugen können, aber so einige Subgenres lösen immer noch Abwehrreflexe aus. Elektronische Musik, die hörenswert ist, darf dem Namen Techno nur ganz entfernt zugehörig sein, das Feld des Trance wiederum mit Künstlern wie ATB, Tiësto und Paul van Dyk ist immer noch eher tabu. Die Absurdität solcher Abgrenzungen erkennt man, wenn man bedenkt, dass „From Here We Go…“ in Foren zum Teil als Minimal Electronic bezeichnet wird, obwohl es im Kern doch immer ebensolcher Techno ist, der in vielen Bereichen fast in – eben – Trance abdriftet. Oder aber auch wenn ich mir ins Gedächtnis rufe, wie ich über meinen Untermieter mosere, der seine 90er Trance-Sampler in übermäßiger Lautstärke laufen lässt und ich mir danach genussvoll The Fields Longplayer anhöre.

Denn genießen kann und muss man das Werk des musikalischen Autodidakten, obwohl es ein in jeder Hinsicht eher monotones Album ist. Ein flächiges, breit angelegtes Techno- oder Electro-Szenario ohne größere Berge und Täler wird uns präsentiert. Schon die Eröffnung „Over The Ice“ beeindruckt mit einem ruhig und stumpf dahin gleitendem Beat, der nur rechts und links von Effekten begleitet wird und sich zwischen einer Tief- und einer Hochebene hin und her bewegt. Ohne Übergänge wechselt der Track zwischen Ambient- oder Einrichtungs-Musik und einer raffinierten aber eher hintergründigen Clubtauglichkeit.

Hier wie auch bei einigen – vielen – anderen Tracks ist die Möglichkeit eines Einsatzes für die Tanzfläche erst spät erkennbar. Ob es nun „A Paw In My Face“ oder „Good Things End“ ist, der Beat versteckt sich in einer weiträumigen Landschaft, die der Künstler aus kleinen, ja kleinsten Versatzstücken, aus Samples, Vokalfetzen oder Computereffekten herausarbeitet. Selten haben Musik und Bildhauerei so viele Attribute gemein wie hier. Aber selbst wenn der Beat sich gleich zu Beginn nach vorne drängen sollte, kann Axel Willners Spiel mit den Tempi seiner einzelnen Spuren dazu führen, dass der Track insgesamt keine Chance hat zum Tanzen zu animieren. „The Little Hearts Beat So Fast“ zielt ganz klar auf den Club – enthält aber dennoch Stolperfallen – und „The Deal“ wiederum führt den Beat zwar mit, steigert ihn sogar, wird von den ihn umschließenden Synthie-Flächen so kontrastiert, dass die Vorstellung dazu zu tanzen gerade doch eher schwer fällt.

Die faszinierendsten – weil für das Album untypischsten – Stücke hat Willner jedoch am Ende positioniert. Zum einen ist das „Mobilia“ mit seinen abgehackten Sounds, dem Gefühl etwas rückwärts zu hören und seiner hypnotischen Wirkung. Ein Track mit Beat, der den Beat aber dauernd versucht stolpern und fallen zu lassen. Des Weiteren ist das der Titeltrack, ein reiner Ambienttrack, der scheinbar ohne Beat auskommt, aber nur, weil verschiedene Soundelemente die repetierende Rolle eines Rhythmus-Instruments übernehmen.

Ein schönes Album, in vieler Hinsicht, aber auch eins, das man sich erarbeiten kann, das seine ganze Wirkung erst auf lange Sicht und in den richtigen Situationen entfalten wird. Und eine Anmerkung noch, das was in „Sun & Ice“ nach knapp fünf Minuten wie ein Fehler in der CD klingt, resultiert aus The Fields Arbeitsauffassung, die kein Zurück kennt, wenn mal etwas beim Mischen schief geht. Nicht wundern also.

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