The Cinematic Orchestra – Ma Fleur

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99 IDs, 11 Tracks, 1 Werk. Die Promo des neuen Cinematic Orchestra Albums „Ma Fleur“ kommt in 99 Teile zersplittert. Als Anti-Piraterie-Maßnahme gedacht, erschwert dies die Rezeption des Albums deutlich, betont aber gleichzeitig den Charakter des Albums.

Wie Szenen eines Films für den Zuschauer nicht immer eindeutig zu trennen sind, fließen die Stücke des Albums in einander und bilden so ein musikalisches Gesamtkunstwerk. Eines, das durch die Begleitumstände die Grenzen der Kunstform Musik durchbricht. Neben einem Kurzfilm Projekt eines Freundes des Cinematic Orchestra Masterminds Jason Swinscoe kommen elf Fotos der New Yorkerin Maya Hayuk hinzu, die je eine Teil des Werks verdeutlichen sollen.

Musikalisch macht Swinscoes Band ihrem Namen einmal mehr alle Ehre. Orchestral, elektronisch, jazzig, poppig ergibt das Album den Soundtrack zu einem imaginären – oder realen – Film. Natürlich strahlen der Name der Band und das Wissen um die begleitenden Projekte auf die Wahrnehmung der Musik aus, aber selbst ohne dieses Wissen bilden die Tracks des Albums eine Leinwand für empfundenes und erlebtes Geschehen.

Alles beginnt mit der Alternativ-Pop-Ballade zwischen Sigur Rós und Antony „To Build A Home“. Voller Wendungen und Überraschungen tasten wir uns durch das Klavierbetonte Stück. Suchend, nicht wissend wo es lang geht. Am Ende leben wir und das Stück auf, immer mehr bis zum nur Sekunden währenden Höhepunkt, nach dem Streicher übernehmen und uns zum Ende geleiten. Hier wie auch in den meisten anderen Stücken, dominieren sich häufig wiederholende Motive. Sie variieren, brechen, werden wieder zusammengesetzt. Meist bestimmt ein Instrument einen Track. Mal ist ein Schlagzeug, mal der Bass, mal das Piano. Meist geben sie sowohl Rhythmus als auch Melodie vor.

Manches auf dem Album – wie der abschließende melancholisch soulige Trip Hop von „Time And Space“ – ist zu langsam, zeigt zu wenig Entwicklung, besitzt keine Spannung, versucht zu sehr eine ruhige, relaxte Atmosphäre zu verbreiten. Am besten gefällt „Ma Fleur“, wenn uns aus seinen Arrangements die Emotionen fast anspringen, uns packen, nicht los lassen wollen. Dies gelingt im schon erwähnten Opener, aber auch – und noch besser – im beruhigenden, „soothing“ „Child Song“, der zarten Gitarren Nummer „Music Box“ und dem reinen und schönen Piano, Bläser und Bass Jazz des Titeltracks. Auch „Breathe“, in dem die Gitarre blubbert und der Beat gluckert, leistet dies mehr oder weniger.

Ein Album wie ein Soundtrack, das doch nicht wirklich einer ist. Zudem ein Werk, dass die elektronisch jazzigen Ursprünge der Band „The Cinematic Orchestra“ erweitert hin zum Pop aber auch hin zu einer – die Formulierung sei erlaubt – „nach dem Rock“ seienden Offenheit. Soll heißen, der Höhepunkt des Albums „As The Stars Fall“ vereint Electronica und Jazz in einer Art und Weise, in einer Intensität, die beide Genres erweitert und die einige progressive Rocker neidisch machen wird. Anders formuliert, sollte dieser Track allein, Menschen auf das Album neugierig machen, die ansonsten mit dieser Musik wenig am Hut haben.

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