Soulsavers – It’s Not How Far You Fall, It’s The Way You Land

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Die Aufmerksamkeit, die „It’s Not How Far You Fall, It’s The Way You Land“ zur Zeit genießt, beruht wohl weniger in einer langen Erwartung der Musik-Nerds auf den Nachfolger des – eher triphoppigen – Soulsavers-Debüts „Tough Guys Don’t Dance“. Vielmehr verdankt die Platte ihren „Buzz“ vor allem der Mitwirkung anderer „Kult“-Musiker.

Neben Will Oldham (Bonnie ’Prince’ Billy) und Jimi Goodwin (Doves) steht vor allem „Meister Umtriebig“ Mark Lanegan den beiden Seelenrettern Rich Machin und Ian Glover zur Seite. Lanegans Gesang und die Musik der Soulsavers gehen hier eine ebensolch kongeniale Mischung ein, wie es Lanegans Kooperationen mit Greg Dullis Twilight Singers darstellen. Eine düstere und doch zarte Soulfulness durchweht das ganze Album, das sich musikalisch und atmosphärisch im Spannungsfeld aus Folk und Electronic eine seltsame Nische sucht. Seltsam weil nur selten wirklich erkennbar ist ob wir hier Musik aus Computer und Synthesizer entstanden ist, oder ob eine folkige Rhythm’n’Soul Combo am Spielen ist.

So ist eigentlich auch „It’s Not How Far …“ im Kern ein gospeliges Trip Hop oder Electronic Soul Album. Allein der Alternative Rock Gesang von Oldham, Goodwin und natürlich Lanegan geben dem Album seinen speziellen Charakter. Gesang anders gearteter Künstler – Macy Gray, Chan Marhall, Common, Annie – würden aus den gleichen Arrangements ganz andere Songs machen, die aber wie die tatsächlich hörbaren Werke auf die Teile des Albums ausstrahlten, die instrumental bleiben. Wenn „Arizona Bay“ hier wie die Wiederkehr des Messias im Wilden Westen wirkt, könnte es eben in anderem Kontext auch eine Marslandung untermalen.

Diese Beschreibung suggeriert eine Soundtrack-Tauglichkeit der Klanglandschaften die dieses Album bietet, … was stimmt. Das ganze verströmt eine einzigartige und einheitliche Stimmung, die leicht als langweilig wahrgenommen werden mag, vielmehr jedoch beruhigend, atmosphärisch und faszinierend ist. So ist es schwer stärkere und schwächere Tracks innerhalb des Albums zu unterscheiden, zu homogen, zu gleichwertig sind die Teile.

Schon das eröffnende „Revival“ zieht uns in seinen Bann mit Lanegans Gospelchor verstärktem Gesang. Lanegan ist schon lange in eine Liga mit Leonard Cohen und Nick Cave aufgestiegen, was er hier mehr als klar beweist. Wie hypnotisiert folgen wir dem Album weiter in „Ghosts Of You & Me“. Nachfolgend bietet das arg monotone „Paper Money“ entweder Zeit sich zu erholen oder es zieht uns ganz hinab in den Abgrund. Dort angekommen wird uns „Spiritual“ sicher nicht aufbauen sondern in eine tiefe Depression stürzen, sich im eigenen Unheil suhlen, nennt man das wohl.

Besondere Beachtung verdienen jedoch die Cover-Versionen, bzw. die Tracks bei denen Lanegan ein Duett-Partner zur Seite steht. Bei „Kingdoms Of Rain“ unterstützt ihn Jimi Goodwin und vertieft die spätestens von „Spiritual“ verursachte düstere Atmosphäre. Der Zweiklang der beiden Sänger besitzt eine Tiefe – in jeder Hinsicht – die endgültig bewegt und für dieses Album einnimmt. Die CSNY-Ballade „Through My Sails“ sieht dann Lanegan und Will Oldham zusammen am Mikrofon und verzaubert voller Tragik. Tragik, Düsternis, versagende Hoffnung zeichnen das Album überhaupt aus und zwar hin bis zum abschließenden Stones-Cover „No Expectations“.

Bei all dem stellt sich mir zum Abschluss nur die Frage, ob die streckenweise verbreitete Begeisterung nicht übertreibt. Lanegans Gesang ist einzigartig, die Soulsavers Machin und Glover präsentieren faszinierende und fesselnde düstere Arrangements, aber … mir fehlt da irgendwas. Was? Die Vielfalt vielleicht?

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