Outlines – Our Lives Are Too Short

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Schemenhaft entwickelt sich im Intro von „Our Lives Are Too Short“ ein ziemlich erstaunliches HipHop-Album. Eines, das zeigt, die französische populäre Musik muss sich im Jahr 2007 nicht auf den House-Party Klang Marke Ed Banger oder Marke Kitsuné reduzieren lassen.

Den Bogen hin zu Ed Banger schlägt das Outlines-Album über den Bonus-Track, einen Remix des DJ Mehdi Tracks „Lucky Boy“. Ansonsten liegen Klang und Produktion auf „Our Lives…“ eher zwischen Kanye und Common, bzw. Mocky und Jamie Lidell oder auch Gorillaz und Gnarls Barkley. Wir hören also in alle Richtungen offenen HipHop, wobei alle Richtungen Jazz, Funk, Soul und Electronica heißt. Ganz lossagen von einer Partyorientierung können sich aber auch Outlines nicht, viele Tracks rufen uns direkt oder indirekt – über den Weg eines möglichen Remixes – auf die Tanzfläche.

Gemein mit dem von Daft Punk abstammenden Houseklang haben Outlines die Vorliebe für knarzende und roh klingende Bassbeats. Im Gegensatz zu anderen Acts dieses und der vergangenen Jahre jedoch wirken sie hier nicht altbacken oder tausendmal gehört. Vielmehr gliedern sie sich organisch in Tracks wie „Show Me feat. Beat Assailant“ ein und geben ihnen eine warme, harmonische Atmosphäre. Obwohl der Maschine und Samples entspringend verleihen diese Beats dem Album einen Klang, der gelegentlich fast an The Roots erinnert.

Allgemein überzeugt „Our Lives Are Too Short“ am meisten, wenn Irfane und Jerome Hadey sich am funkigen Soul und Souljazz der 60er und 70er orientieren (z. B. der Titeltrack oder „Now That I’m Free feat. RZA“). Aber unabhängig von solchen einschränkenden Formulierungen ist das Album-Debüt des Trios ein echtes Album, das vom ersten bis zum letzten Ton zu überzeugen und zu fesseln vermag. Das Namedropping mit RZA wäre da gar nicht notwendig gewesen, ermöglicht jedoch dem Album u. U. die verdiente größere Öffentlichkeit.

Einen Effekt, den eigentlich die Tracks allein schon erreichen müssten. Ob die harten Tracks „Show Me“ und „How Should It Be Done“, die funkigen „Our Lives Are Too Short“ und „Hold On“, die Album-Edits der 12-Inch Hits „Listen To The Drums“ und „Just A Lil’ Lovin’“, das jazzige „Waiting In A Line“ oder das Drum’n’Bass bzw. Dancefloorjazz Monster „Matter Of Time“, Hits folgen auf noch mehr Hits. Wenn dann das meiste noch tanzbar ist, fragt sich der geneigte Hörer: Wie machen die das nur? Die Frage bleibt unbeantwortet, hingewiesen wird nur noch auf die besonders tanzflächentauglichen Tracks. „Just A Lil’ Lovin’“ ruft Disco und House, „Listen To The Drums“ dagegen ist ein originäres 2007er Partymonster und „Matter Of Time“ hätte auf fast jedem Mojo-Sampler Platz.

Ein Album das begeistert und doch noch wächst mit der Zeit. Wenn jetzt Jahresende wäre, … lassen wir solche Spielchen. Simon Says: Hören!

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