Monotekktoni – Love Your Neighbour? No Thanks!

Als Hamburger fällt es schwer einzugestehen, zurzeit käme die bessere Musik aus Berlin – oder gar Köln, München, Frankfurt. Es stimmt ja nicht mal, es ist nur eine Frage der Wahrnehmung und im Moment nimmt man – nehme ich – nun mal mehr Berliner denn Hamburger Musik wahr.

Berliner Musik ist ebenfalls Monotekktonis (aka Tonia Reeh) drittes Album „Love Your Neighbour? No Thanks!“. In der – anderweitig schon festgestellten – Veröffentlichungsflut wäre dies sicherlich an mir vorbeigezogen, hätte nicht die Spex kürzlich eine News-Meldung zu Album, Tour und Downloads gebracht. Aber das ist nun mal ihr selbst auferlegter Auftrag.

Einfach macht die Künstlerin es uns nicht. Wer Rrriot Girlism, House und Mouse on Mars’sche Electronica mit einander mischt, legt es nicht darauf an, im Radio gespielt zu werden. Wer Lyrics wie „Can You Kick My Ugly Ass To The Ground / I Found, Now Hit Me With Your Feet While I’m Laying Down And Spit In Your Face.“ will vor allem einer Wut Ausdruck verleihen, einer Unzufriedenheit mit der Welt, vielleicht auch mit sich selbst oder zumindest der eigenen Situation. Wenn dann nicht nur die Technik als Metapher für die geringen direkten Mitwirkungs-Chancen in der Demokratie entlarvt wird sondern unter Neubauten-ähnlichem Ambossschlägen George W. Bush gesamplet wird, spricht das Bände.

Mittels eines Haufens elektronischer Gerätschaften produziert Monotekktoni eine zwischen Harmonie und Kakophonie hin und her pendelnde Musik, die vielleicht nicht direkt tanzbar ist, die einen aber definitiv in den Hintern tritt – also ass kicking Soul Dance Electro Industrial Punk Rock, oder so. Da lösen sich helle, zarte Glockenklänge mit düsteren, harten Beats ab, da wird ver- und entzerrt und darüber klar, gleichförmig aber vor allem durchdringend tief Tonia Reehs Gesang.

Schwache Tracks aus diesem Ambient und Electroclash Gemisch zu identifizieren ist unmöglich. Zu gleichwertig sind sich Songs wie „Civilisation Kills Sex Magick“, „Excuse Me, Helen, But What Is With My Freedom“ oder „Earthquakes And Comets“, wobei letzteres schon ein arg schräges und extremes Noise-House-Gewitter präsentiert. Insbesondere die erste Hälfte der Elf Tracks bis zum gebetsmühlenartig sich wiederholendem „Repetition Is Not Wisdom“ fordert den Hörer dermaßen, er gibt entweder erschöpft auf, oder genießt begeistert.

Unter Abzug der Beat- oder Piano-Miniaturen „It’s Still Not Hell“, „Der Rest Ist Für Die Katze“ und „Sad Position“ bleibt ein schwieriges und überwältigendes Electronica-Album, das gleichberechtigt neben dem in einem Monat erscheinendem „Von Südenfed“ Werk „Tromatic Reflexxions“ bestehen kann, dem aber wohl leider weniger Aufmerksamkeit geschenkt werden wird.

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