Findlay Brown – Separated By The Sea

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Troubadix. Das ist der unglückliche Liedermacher in diesem kleinen Dorf unbeugsamer Gallier, der arme Kerl, der spätestens im letzten Panel eines jeden Bandes geknebelt und gefesselt und mit zerstörtem Instrument am Baum hängt. Troubadour. Provencalischer Minnesänger meist ritterlichen Standes im 12. und 13. Jahrhundert, schreibt das neue Fischerlexikon in Farbe aus den 1970ern.
Troubadix-Schicksal wünschen manche britische Musikhörer auch all den gut aussehenden, „süßen“ Singer/Songwriter-Typen an den Hals, die sich in den letzten 24 Monaten anschickten, ihr Glück mit Gitarre und Stimme zu suchen. Troubadour-Folk nennt der ein oder andere die Musik, die Findlay Brown nicht nur auf diesem Album sondern schon auf seiner letztjährigen EP präsentiert. Eine Musik, die mit den anderen britischen Schönlingen, Paolo Nutini, James Morrisson und James Blunt, rein gar nichts am Hut hat.

Findlays Album „Separated By The Sea“ wildert in den Tiefen des letzten Jahrhunderts, es bringt eine Musik ins Hier und Jetzt, die im Grunde keine Chance besitzt, als „cool“ oder angesagt zu gelten. Das Album schreit musikalisch an allen Ecken und Enden Flowerpower, verströmt eine Atmosphäre von THC und LSD, fordert auf die Cordhosen, die bunten Hemden und die weiten unförmigen Kleider von Mutti hervorzukramen und barfuss auf der Straße im strömenden Regen zu tanzen („Losing The Will To Survive“). Es möchte, dass Ihr Euch unterhakt und Ringelreihen tanzt. Nicht dauernd, aber doch an vielen Stellen (u. a. „But You Love Me“). An anderen – z. B. im Titelstück – präsentiert Findlay Brown Balladen, die irgendwo zwischen frühen Bob Dylan Folk und Simon & Garfunkel eine Heimat findet. Dazwischen finden sich immer wieder die psychedelischen Flächen drogenverklärter Beatles-Songs, bzw. deren Zeitgenossen (si. der Siebenminüter „Don’t You Know I Love You“).

Die scheinbare – oder doch offenbare – Rückgewandheit der Musik, die schnell auftauchenden Assoziationen Beatles, Dylan, Simon & Garfunkel, all das kann schnell einen Eindruck der Cheesyness, des Kitsches über das Album werfen. Und es ist kein vollkommen falscher Eindruck. Hippiemusik und der amerikanische Folk der 60er und 70er haben es in unserer Retro-verrückten Zeit noch nicht geschafft, als schick und toll zu gelten. Ein Mann und eine Gitarre, die einfach Pop machen oder sich aber am Garagenrock orientieren mögen cool sein, Oldie-Folk jedoch ist höchstens im Oldieradio akzeptabel. Da braucht es schon eine Mastercard-Kampagne, um den Künstler ins allgemeine Bewusstsein zu katapultieren. Ein Ereignis, das ihn dann wohl bei den „Folkern“ wieder unsympathisch macht.

Doch muss denn Musik – bzw. ein Musiker – automatisch auch den eigenen Status des Hörers mehren, kann er nicht einfach schöne Musik machen? Und weiter: Ist nicht unsere Zeit ganz groß dabei, die Musiker der Vergangenheit zu vergessen und dafür junge Künstler, die das machen, was vor dreißig Jahren schon „in“ war, abzufeiern? Findlay Browns Alt-Folk hätte es durchaus verdient, einen solchen – die Vorbilder ignorierenden – Erfolg zu genießen. Seine Musik – lässt man sich auf sie ein – ist einfach nur eins, schön. Nicht spektakulär, nicht revolutionär, einfach nett, im guten Sinne.

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