Boundzound – Boundzound

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Ich bin mir sicher, zu irgendeinem unbestimmten Zeitpunkt der letzten sechs Jahre hat jeder – noch so alternative – Musikhörer bewusst oder unbewusst zu Seeed mitgewippt oder getanzt. Die Band hat den deutschen Dancehall gepusht wie keine andere, das Genre aber ebenfalls einmalig verpoppt.

Einer ihrer markantesten Köpfe und Sänger – aka Toaster aka Deejay (im jamaikanischen Verständnis) – ist Demba, der nun als Boundzound sein Solo-Debütalbum vorlegt. Ausgehend von der Seeed-Single „Ding“ ist es kein weiter Schritt zu den präsentierten Songs. Sperrig, aber gleichzeitig auf ein (Radio)Pop-Publikum zugeschnitten, hören wir wenig Überraschendes und sehr wenig Spektakuläres. Unter Dembas holprigen – meist – englischen Lyrics – zweimal von Skin unterstützt – und einer eher schwammigen Produktion – auch hier siehe Seeed – können sich die zwölf Dreiminüter selten entfalten.

Schon die Vorabsingle „Louder“ zeigt eine Vielzahl von Ideen in Beat und Produktion, enttäuscht aber bei der Langzeitwirkung. Alles passt, es ist der perfekte Dancehall-Track, reißt aber nicht wirklich mit. Ähnlich ergeht es den besseren Tracks des Albums. Ließe sich dies bei üblichem Radio-Konsum noch auf die schlechten Boxen zurückführen, erschreckt es ein wenig, wenn auch gute Boxen oder Kopfhörer eher enttäuschende Ergebnisse liefern. Zur Ehrenrettung sei jedoch angemerkt, nach ordentlichem – albumangepasstem – Einpegeln der eigenen Anlage erreicht nicht nur „Louder“ eine ganz neue Qualität.

Viele Sounds – z. B. die R’n’B-Nummer „Airport“ – gemahnen an den durchschnittlichen Seeed-Klang, andere wiederum sind wirklich einfach nur schwach, bzw. langweilig – z. B. der albumeröffnende Dub-Reggae „Every Day“ feat. Skin. Ähnlich ergeht es insbesondere den deutsch-gesungenen Nummern „Marathon Man“ und „Wellnessclub“. Glücklicherweise finden sich genug gute Tunes auf „Boundzound“. Neben der bekannten Single „Louder“ sind dies vor allem die – Timbaland-geschulte – Ohrenspülung „Stay Alive“ und der glasklar produzierte Computerfunk „All Times“ (feat. Skin). Aber auch der Titeltrack oder eine Nummer wie „Dance On“ überzeugen, indem sie auf die Tanzfläche ziehen, und „Airport“ ist unter den souligen Songs des Albums einer der besseren.

Mit ein wenig mehr Mut könnte Boundzound die deutsche Musikszene aufmischen, wie es Seeed vor sechs Jahren taten. So jedoch bleibt ein leicht muffiger Nachgeschmack. Schade.

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