Kosheen – Damage

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Kosheen gehörten mit ihrem 2001er Debüt „Resist“ – oder vielleicht eher mit den ausgekoppelten Singles – zu den Bands/Acts, die dem Electro-resistentem Publikum in Pop und Rock zeigten, dass Techno, Electro oder – wie sie sich verstanden – Drum’n’Bass nicht stumpf und dumm sein müssen. Dies lag damals schon an ihrer Einbindung von Synthiepop/Wave-Elementen. So gewannen sie nicht zuletzt einen guten Teil der – vereinfach formuliert – Depeche-Mode-Gemeinde für sich.

Der Nachfolger zu „Resist“ bekam 2003 eher mittelmäßige Kritiken und auch ihr nun erschienenes drittes Album stößt nicht überall auf offene Ohren. Dabei stammt Mitglied Darren Decoder (aka Darren Beale) ursprünglich aus dem Umfeld von Portisheads Geoff Barrow und somit sollten ihm eigentlich jede Tür und jedes Ohr offen stehen. Mit Trip Hop oder Drum’n’Bass hat das Album insgesamt wenig zu tun. In weiten Teilen präsentiert sich „Damage“ als purer Synthiepop, dessen Wirkung vor allem Sian Evans Gesang ausmacht, der irgendwo zwischen Dido und Annie Lennox liegt.

Nach dem überlangen aber definitiv gelungenem Titeltrack „Damage“ stellt sich schnell gepflegte Langeweile ein. Den glatt gebügelten Electro-Pop der nächsten Stücke hat man häufig genug gehört, und neues fügt die Band dem Genre nicht hinzu. Erst „Guilty“, die Radiovariante von Dance-Punk mit Kosheen’schen Mittel, weiß aufhorchen zu lassen, zielt auf die Tanzfläche und das genreübergreifend, vom Electro-Floor bis zum Dark-Wave-Goth-Tempel. „Chances“ versucht gleiches, nervt aber und das nicht nur wegen Evans knödelndem und gleichzeitig schrillem Gesang. Die Beats sind überfrachtet, der Synthie kann sich nicht entscheiden, ob er nach 1983, 1996 oder 2001 klingen will. Da wirkt die folgende Dido-Ballade „Out Of This World“ trotz allem Kitsch fast erholsam. Danach bleibt es eine Weile ruhig bis kitschig, bzw. im Grenzgebiet aus Trip Hop und 80er Synthesizern. Beats und Synthies versuchen, kreativ zu interagieren und lassen doch vollkommen kalt. Am ehesten gelingt diese Synthese noch auf „Not Enough Love“, vielleicht kein zeitgemäßer Track, aber gelungen und stimmungsgeladen. Den Abschluss macht dann das komplett auf Trip Hop, ja sogar Portishead gebürstete „Your Life“: Der Synthie etwas aufdringlicher als beim Vorbild und der Ansatz im Grunde eine Frechheit – lässt der Song einen doch versöhnlich mit dem Album zurück. Nicht zuletzt, da ihm „Marching Orders“ vorangeht, dessen Bassline, Beat und orientalische Atmosphäre einen verwundert fragen lässt, was mit etwas Mut aus diesem Album hätte werden können. Am Ende richtet „Damage“ sich eher an 80er und (Dark-)Wave Fans, denn an Trip Hop, Drum’n’Bass oder Electro Freunde.

Kosheen werden mit „Damage“ vermutlich einige Freunde des Debüts zurück- und vielleicht ein paar neue dazu gewinnen können, insgesamt jedoch versteckt sich in der Stunde Musik viel zu wenig Mut, viel zu wenig Kreativität, um das Album auch nur ansatzweise als gelungen bezeichnen zu können. Das ist bedauerlich, lassen doch die guten oder zumindest annehmbaren Momente einen die ganze Zeit hoffen, es werde besser jetzt, also gleich, beim nächsten Track halt.

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