DKultur, die sechste und Nils Koppruch – Den Teufel Tun

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Deutschlandfunk empfiehlt Jason Moran & The Bandwagon, dem schließe ich mich an. Deutschlandradio Kultur empfiehlt Nils Koppruchs Solo-Album „Den Teufel tun“, musikmeteoblog sagt dazu:
Wieso klingt das Solo-Album fast genau wie die Arbeit seiner alten Band? Und warum stört das nicht? Weshalb verströmt gerade diese Vertrautheit ein solches Glücksgefühl. Glück, eine eigentlich seltsame Assoziation bei der oft dunklen, immer aber melancholischen Musik von Nils Koppruch.

Nicht ausschließlich die Musik auf „Den Teufel Tun“ erscheint nur in Nuancen unterschiedlich zu den ruhigeren Stücken von Koppruchs alter Band Fink. Auch unter den mitwirkenden Künstlern finden sich einige alten Kollegen neben neuen, wie zum Beispiel Clickclickdecker. Mitwirkende, Musik, alles gleich, unterscheiden sich wenigstens die Themen von Koppruchs Texten? Nein, alles beim Alten. Die Natur, abgebildet und als Metapher, belebt und unbelebt, das menschliche Miteinander und das Leben in seiner räumlichen und zeitlichen Vergänglichkeit. Alles transportiert von dieser meist zarten und doch nicht zerbrechlichen Mischung aus Folk und Blues, wie sie sonst in Deutschland kein zweiter produziert. Präsentiert in Koppruchs unverwechselbarer, leicht nölender Stimme, die nicht zum Singen geschaffen ist und die man doch immer wieder hören will. Der Künstler transformiert unsere/seine Welt in Texte voller Tiefe und reflektiert sie so besser und effektiver als es vielen offeneren Textern gelingt.

Wie ein erfrischender Sommerregen trat die Band Fink Mitte der 90er Jahre mit ihrem Album „Vogelbeobachtung im Winter“ auf die Bühne deutschsprachiger Musik. Wie heute hatte eine Generation von Jugendlichen in Abgrenzung zur Masse der in den Charts vertretenen Musik sowie aus Gefallen an einer Minderzahl der dort zu findenden Künstler einen eigenen Geschmack entwickelt und dafür gesorgt, Künstler zu Erfolg zu verhelfen, mit denen niemand gerechnet hatte. So fanden sich Tocotronic plötzlich auf Bravo-Hits-Samplern und im Viva-Musik-TV wieder. Entweder ging eine – damals schon – verzweifelte Industrie unerwartete Risiken ein, oder eine sensibilisierte Presse bot der Band Fink eine überraschend große Plattform. Zumindest erschien es so. Im Grunde ist es nicht unwahrscheinlich, dass Koppruch heute ähnliches widerfährt.

Deutschsprachige Musik erlebt einen Boom. Zielgruppengenau schaffen Künstler – kleine – Erfolge. Die Jugend wird bedient – offensichtlich – aber auch die Fourtysomethings werden mit Künstlern wie Gwildis und Cicero versorgt. Genau dazwischen – in einer Generation, die Damien Rice und Anna Ternheim zu ausverkauften Hallen verhilft – könnte Koppruch zum zweiten Mal eine Nische finden.

Verdient hätte er es alle Mal. Das Album bietet alles dafür, darunter die nötigen Spannungsbögen zwischen komplex arrangierten Stücken, wie „Heimweh“, und einfachen, fast fröhlich schwingenden, wie „Einziges Lied“. Es lässt sich durchhören, es lässt sich in Teilen genießen. Vielleicht ist es etwas zu sperrig für manchen, aber die überall durchscheinende Melodik und die lyrischen Texte sollten die Mehrheit der potentiell interessierten Öffentlichkeit überzeugen. Bitte.

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