Good Shoes – Think Before You Speak

Schrammel, Schrammel, Schrammel. Es scheint, als wollten alle englischen Jugendlichen, den Gitarrenrock oder den Post-Punk plündern, um reich und berühmt zu werden. Oder wie der Sänger der – für manchen unsäglichen – Trance-Coreler von Enter Shikari es im Gespräch mit der Sally’s ausdrückt: „Es gibt so eine Krankheit bei nordenglischen Bands – die eine scheint immer nur eine Kopie der vorangegangenen zu sein,“ bzw. „Wenn du einen interessanten Akzent hast, kannst du anscheinend beschissene Melodien haben, und die Leute denken immer noch, dass du gute Musik machst.“

In diese Kategorie gehören in gewisser Weise die Good Shoes. Wie Enter Shikari – nur auf ganz anderem Gebiet – sind diese eine „der“ Hoffnungen, einer „der“ Newcomer für das Jahr 2007. Wo die Klaxons auf die Tanzfläche schielen, Enter Shikari pure Wut und Verzweiflung zum Ausdruck bringen und jugendlichen Distinktions-Gewinn verbreiten, sind die Good Shoes eine Band mehr in der Masse der vor sich schrammelnden, direkt aus der Garage kommenden, die Gefühle der Jugend in gute Stimmung umwandelnden Retro-Rocker britischer Ausprägung. Vor einem Jahr waren die Mystery Jets die große Nummer, heute also die Good Shoes.

Da ich den Überblick über das Genre lange verloren habe, ist „besser als“, „genauso gut wie“ oder „definitiv mieser als“ nicht zu erwarten. Das Album mit dem altersweisen Titel „Think Before You Speak“ enthält vierzehn Songs, die zum Großteil nicht mal eine Länge von drei Minuten erreichen, die – auf die rockige Dreifaltigkeit Gitarre, Bass, Schlagzeug beschränkt – rauer und unproduzierter daher kommen als einige ihrer Peers. Der Gesang – im Alter von 20 Jahren kaum anders zu erwarten – wirkt meist schrecklich farblos, die Texte dafür schwanken zwischen naiv und verlorener Weisheit, zwischen den Traumtänzereien eines Greenhorns in Sachen Leben und einem zynischen alten Sack.

Im Ganzen charakterisiert man die Band Good Shoes wohl am besten und fairsten als Lo-Fi-Version von Maximo Park. Wie diese besitzen die Good Shoes ein natürliches Gespür für gute Melodien, phrasenhafte und doch clevere Texte, doch auf die Dauer eines Albums wiederholen sich die Jungspunde ein bisschen arg und ab der Hälfte sehnt man sich – trotz des Kürze jedes einzelnen Songs – nach dem Ende. Dabei funktionieren alle Songs einzeln ganz gut, nichts spricht gegen jeden als solchen und – eher wahllos herausgegriffen – „All In My Head“, „Never Meant To Hurt You“, „Sophia“ oder „Small Town Girl“ werden beim Probehören die meisten erst einmal überzeugen.

Damit ließe sich vielleicht festhalten, wie viele Künstler, die derzeit als „heißer Scheiß“ verkauft werden, sind auch die Good Shoes vor allem eine Singles Band, die auf der Tanzfläche, dem Videosender, der persönlichen Playlist gut funktionieren, aber nicht unbedingt für die Länge eines ganzen Albums gemacht sind. Doch was stört das heute schon, im Zuge von Download-Portalen, Klingeltönen und shufflenden Playern liegt unsere Stimmung eh im zufällig (wieder)gefundenen Song und nicht in der Konsistenz eines Longplayers.

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Nichtsdestotrotz ist Wigger im Spiegel begeistert – vielleicht war er aber auch nur noch im Maximo Park Rausch. Naja, vielleicht taucht ja bei mir ebenfalls noch die Erkenntnis auf, wie groß dieses Album eigentlich ist. Das Lo-Fi-ige hat inzwischen schon eine gewisse Überzeugungsarbeit getan.

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