Klaxons – Myths Of The Near Future

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Einmal mehr Pop aus der Kunsthochschule. Einmal mehr das nächste ganz große Ding. Nicht nur als Band sondern als ganzer Stil und die eine Band – also die Klaxons – als Vorreiter oder Musterschüler.

Mit anderen Kunsthochschülern – Paul Smith (Maximo Park) und der Gesamtheit Franz Ferdinand – verbindet die Band, der Willen groß zu werden. Pop im wahrsten Sinne zu sein. So richtig populär. Die große Sause, nicht nur eine Saison der heiße Scheiß von morgen.

Im in der Spex protokolliertem Monolog suggeriert Simon Taylor-Davis – Gitarrist –, er und Sänger Jamie Reynolds hätten bewusst die Musikszenen der Gegenwart und der Vergangenheit analysiert, um im folgenden einen eigenen Stil zu definieren, der sich an den so genannten Rave-Bands der frühen 90er Jahre orientiert und somit als „New Rave“ funktionieren sollte. Unterstützend stellen sie ihr gesamtes Auftreten auf eine neonbunte Rave-Optik um. Sagt Simon Taylor-Davis. Der weiter offen damit kokettiert, dies sei alles ein gewolltes Versteckspiel zwischen Zitat, Kopie und Rip-Off.

Die Musik, mit der die Klaxons – mit zweimonatiger Verspätung – jetzt auch die Bundesrepublik erobern wollen, zielt dabei auf völlige Ekstase. Atemholen ist nicht erwünscht. Selbst ruhigere Stücke – z. B. „Forgotten Works“ – wirken nur wie die kurze Phase vor dem nächsten Zappelanfall. Schon der Albumeinstieg „Two Receivers“ hypnotisiert mit seinem Schlagzeugbeat und dem einsetzenden Keyboard. „Atlantis To Interzone“ mit hektischen Sirenen und Block-Party-Schlagzeug lässt die Beine nicht still halten. Weitere Songs wie „Totem On The Timeline“ und „Gravity’s Rainbow“ bis hin zum Abschluss „Four Horsemen Of 2012“ sind ebenso gut aber ebenfalls nicht halb so neu – egal in welcher Definition – wie die Band und die begleitende Medienkampagne es suggerieren. Die Ahnenlinie ist deutlich erkennbar und wird nicht durchbrochen. Kommend von Primal Scream und Konsorten führt das nicht zu einem neuen Genre namens „New Rave“ sondern vielmehr zu einer anderen Interpretation, einer noise-lastigen, lärmenden, die Tanzbeine durchaus überfordernden Vermengung all dessen, was !!!, LCD Soundsystem, The Faint und Bloc Party in den letzten Jahren bereits vorführten.

Insofern mögen die Klaxons schon fast tot sein, bevor sie in Kontinental-Europa überhaupt die Chance hatten, durchzustarten. Sei dem wie auch immer, ein vergnügliches, schweißtreibendes und die Ohren durchpustendes Album ist „Myths Of The Near Future“ definitiv.

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