Enter Shikari – Take To The Skies

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Falscher Rezensent oder einfach falsches Album. Bevorzugt sollte hier jetzt eine 4-Ohren-Rezension stehen, böte mir das doch die Möglichkeit mein geballtes Unverständnis für diese Musik in einen Verriss zu gießen. So endet ein weiterer – verzweifelter – Versuch sich mit einer der vielfältigen Bands und Genres des Post-Hardrock zu widmen in diesem Text.

Selbst nach intensivstem Hören erschließt sich nicht, was diese Band im United Kingdom zu einer solchen Größe verholfen hat. Als zweite Band überhaupt gelang es den Jungs von Enter Shikari das Astoria in London bis zum letzten Platz zu füllen, ohne einen Plattenvertrag in der Tasche zu haben. Vor ihnen schafften das nur The Darkness. Und der Unterschied zwischen Enter Shikari und The Darkness ist zwar nicht wie der zwischen Himmel und Hölle, aber doch wie der zwischen zwei sehr weit auseinander liegenden Regionen der Hölle.

Die Popularität – vor allem bei Teenagern – erklärt sich sicherlich vor allem aus dem alten Abgrenzungs-Theater zwischen Jugendlichen und den Interessen der Vorgänger-Generation. So verwundert es schon, dass Musik, die sich stark aus Mustern des Hardcore ableitet, weit nach dem eigentlichen Ende dieses Genres, zahlreichen Bands ein Gehör bei Heranwachsenden verschafft. Wut und Frustration – oder die Imitation dieser – brechen sich in einer Musik Bahn, die zwischen Geschrei und tragischen Gesangsmustern, zwischen kreischenden Gitarren und zarten Melodien hin- und herschwankt. Kommen hier noch energiereiche Live-Auftritte hinzu, die eine große Nähe zwischen Publikum und Band herstellen, ist ein gewisser Kult-Faktor sicher. Wie die Kanadier von Billy Talent sich durch ewiges Touren größte Hallen in Deutschland erspielt haben, gelang dies Enter Shikari im Heimatland schon fast. Der Bezug zu Billy Talent täuscht ein wenig, ist aber aufgrund der Tatsache gerechtfertigt, dass Enter Shikari diese Band auf ihrer Deutschland-Tour supportet haben.

Das Geheimnis hinter Enter Shikaris Erfolg mag ebenso in dem einen Element ihrer Musik liegen, das sie von ihnen Gleichgesinnten abhebt. Dem Geschmack der englischen Öffentlichkeit an billigen Synthesizern folgend, fließt in ihren Post-Hardcore, Screamo, whatever noch eine gehörige Portion Trance ein. Synthie-Flächen und -Elemente, die qualitativ irgendwo zwischen schlechten Prodigy-Songs und Scooter liegen, bilden häufig faszinierende Synthesen mit den zugrunde liegenden Hardcore-Songs und wirken nur selten vollkommen fehl am Platz. Dass das sich irgendwie – je nach Definition mehr oder weniger passend – dann auch noch in das „neue“ Genre des „New Rave“ einbindet, ist dann ein guter Marketing-Ansatz. Nicht zuletzt ist Hardcore ja eben doppelt belegt, einmal aus dem Punk heraus und einmal aus dem Techno-Trance der mittleren 90er.

Die Songs – wir lassen Intro, Outro und Interludes mal außen vor – sind dennoch in erster Linie als jugendliche Widerstandsgeste oder als ungehemmt besoffenes Party-Element gesehen unterhaltsam. Intros Linus Volkmann sieht das ganze ironisch gebrochen als große Unterhaltung für altgewordene (Ex-)Metal-Headz und Drownedinsound.com spricht von Klaxons (si. New Rave) mit Emo-Hintergrund. Volkmanns positive Sicht des ganzen scheint die meiste Zeit den Begriff der Ironie etwas über zu strapazieren, aber wie soll man den Gegensatz aus Grunzorgie und Handclaps in „Sorry, You’re Not A Winner“ sonst verstehen. Ernstnehmen kann ich es nicht. Als drittes und viertes Element noch ein Haufen Emo und billigste Scooter-Electronik und die Ratlosigkeit verstärkt sich ins Endlose.

Positiv gefasst, präsentiert hier eine junge Band mit einer enormen Live-Erfahrung auf ihrem Debüt-Album eine faszinierende Mischung aus Wut und Trance mit einem Potential, das ausgeschöpft noch einiges bieten könnte. Negativ gefasst ist es – egal ob ironisch oder ernst gemeint – purer Trash, der aus unerklärlichen Gründen vor allem bei einem jungen Publikum ankommt, indem es Euro-Dance mit Emo mischt, also die Musik der früh-pubertierenden Radio- und Bravo-Phase mit dem gerade angesagten – In-seienden – und zur Abgrenzung am besten geeigneten Stil.

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