Amon Tobin – Foley Room

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Es ist ein ziemlicher Schritt von „trip hop“igem jazzigem Jungle mit Bossa-Einschlag zu einem Album wie „Foley Room“. Amon Tobin ist ihn gegangen. Wobei, soweit war es vielleicht gar nicht, dominierte seine Musik doch schon lange eine eher düstere Komponente.

Ein enormer Schritt war es sicherlich vom Recycling der ungeheuren Vinylschätze, die sich überall auf diesem Planeten häufen, zur Arbeit mit Aufnahmegeräten, der Produktion ganz neuer Sounds und einem Album, das wirklich bei Null anfing. Einer absoluten Stille, einem Nichts an Klang und Geräusch.

Diese Leere wollte gefüllt werden. Zusammen mit Vid Cousins als Toningenieur ging es auf die Jagd. Ziel war es, möglichst viele und interessante Töne, Geräusche, Klänge und Folgen dergleichen zu finden, um aus ihnen Musikalität und Tanzbarkeit zu produzieren. Die Robotik-Geräusche der CD-Herstellung stehen so neben einem Motorrad, tropfenden Wasserhähnen (Cornelius lässt grüßen) und dem Brüllen eines Löwen. Das entstandene Album reflektiert diese kalte Vorstellung nicht. Vielmehr entstehen aus den Aufnahmen nicht – was relativ einfach erscheint – Chillout-Szenarien, nein, Tracks wie „Esther’s“ könnten sogar Tanzflächen füllen. Zur Musikalität des Albums trägt jedoch vor allem bei, auf den Einsatz von Musikern wurde nicht vollständig verzichtet. Künstler wie das Kronos Quartet ließen Tobin in ihre Proberäume und sich dabei beobachten, aufnehmen und sogar zu Experimenten auf ihren Instrumenten motivieren. Einiges davon (z. B. in „Horsefish“) wirkt sorgsamer komponiert, als die Begleit-DVD es suggeriert, aber Schwamm drüber.

Die Verbindung aus Instrument und reiner Klanghaftigkeit steht im Zentrum des Titeltracks. „Foley Room“ und Foley Artists, oder hier insbesondere Stefan Schneider und sein Foley Schlagzeug. Häh, Foley? Fragen wir Wiki: „The Foley artist on a film crew is the person who creates […] many of the natural, everyday sound effects in a film.“ Schneiders Schlagzeug wiederum und Tobins Produktion führen uns in ein Labyrinth aus Beats und Breaks, Bleeps und Blongs, dessen natürlicher Ursprung kaum zu erahnen ist. Was Erbsen auf einem Schlagzeug nicht anrichten.

Dies und das Fauchen des Löwen in „Big Furry Head“ sind die großen und die kleinen Highlights dieses absolut einzigartigen Albums. Eines Albums, das aus einem wissenschaftlich analytischen Ansatz entstanden ist, das versucht selbst das Laufen einer Ameise mit dem Mikrofon zu erfassen und zu integrieren, das aber vor allem Musik enthält, die alles andere als kalt und tot ist, die vielmehr vor Leben und Emotion birst. Die Musikalität in Maschine, Industrie und „Anti“-Instrumenten zu erfassen, haben schon andere versucht und geschafft; auch die Art und Weise, in der Amon Tobin es vorführt, ist kaum vollkommen neu, dennoch überzeugt und begeistert „Foley Room“ auf eine ganz eigene Art und Weise, die man selbst erfahren sollte.

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