Zero dB – Bongos, Bleeps and Basslines

F*ck, es ist Brazilectro. Aber schon gut. Naja Dancefloor Jazz halt, aber irgendwie anders.

Positiv formuliert, liefern zero dB aka Chris Vogado und Neil Combstock hier einen wilden Dancefloor-Mix ab, der zwischen HipHop und Brazil den Weg über Electrofrickeleien und Jazz nimmt. Negativ betrachtet, ist das zu 65,391% stinklangweilig und seit zehn Jahren 1000mal gehört. Auch wenn es das erste Album von zero dB ist, haben die beiden Herren schon seit 6 Jahren ihre Finger im Party-, Remix- und Produktions-Geschäft. Betrachte ich mir die Referenzen – wie Trüby Trio, Peace Orchestra und Sun Ra -, so wird klar, das ist alles tatsächlich so gewollt. Dabei verspricht der Titel „Bongos, Bleeps & Basslines“ mehr.

Die Vorstellung, elektronisch verbrämten Brazil-Sound mit starken Bässen zu Gehör zu bekommen, wird leider weitestgehend enttäuscht, selbst wenn das Album durchaus positiv beginnt. Der Opener „a pomBa girou“ ist klassischer Brazilectro Sound Marke Trüby Trio trifft Basement Jaxx. Durch einen Bass-Stempel gewinnt er zur Mitte hin eine andere Färbung, die durch die Variation der nach vorne gemischten Basslinie für einige Momente zu überzeugen weiß und so nebenher gehört mehr als nett ist. Der Titeltrack wiederum erfüllt die Erwartungen zur Gänze. Was da aus einzelnen Fetzen Dancefloor Jazz, durchgemischten Stimmfragmenten, der schon bekannten Bassline sowie Percussionelementen entsteht, ist elektronische Musik der höchsten Kategorie. Dabei sind noch nicht mal das Bleepen und Blubbern, das Saxophon und die Trompete erwähnt worden. Die Mischung und ihre Elemente zwingen zu einer Aussagen, wie: Das ist elektronischer Jazz, wie er klingen muss.

Doch Track drei „conga madness“ wirft endgültig die Frage auf, ob die Welt ein solches Album braucht. Nicht, dass der Track schlecht wäre. Aus Weltraumgeflirre entspringt ein Bass, der Erinnerungen an vergangene Chemical Brothers Tracks weckt, und dass es Richtung Vergangenheit geht wird noch offensichtlicher, wenn der Gesang einsetzt. In „know what i’m saying“ erklingt irgendwann die Bassline der ersten Stücke, über die Pase Rock seine Raps legt. Extrem vorantreibend ist dies sicherlich ein Lichtblick, andererseits jedoch auch eine Enttäuschung, da kaum als innovativ zu bezeichnen. „samBa do umBigo“ beginnt düster grollend und verspricht einmal mehr großes, liefert aber im Nachhinein doch vornehmlich klassische Brazilelectro-Barjazz-Sounds. Das ganze ist mitreißender, als zu erwarten wäre, aber hebt einen sicherlich nicht auf ungeahnte Höhen der Euphorie.

Einem Chillout-HipHop-Track („anything’s possiBle“) folgt mit „te quiero“ ein erneuter Ausflug nach Brasilien. Dieser verbindet auf interessante, ja sogar fast grandiose Weise traditionelle Bossanova-Elemente mit einer Variation der bereits bekannten Basslinie, die jedoch deutlich mehr beats per minute aufweist und Richtung House weist. Faszinierend ist hier, wie die Bassline ohne Übergang mit klassischem Percussion-Beat abwechselt und dies funktioniert. Auf der eins der elektronische Bass, auf der drei die Percussion.

Sehr jazzig und das ungekünstelt mit vollem Einsatz von Gitarre, Bass und Trompete sowie elektrischen Bleeps und angedeutetem Bass kommt „on the one & three“ daher. Ohne Gesprächsfetzen würde es weitaus mehr überzeugen, doch auch so gehört es zu den guten Tracks des Genres Dancefloor Jazz. Den Rausschmeißer macht „sunshine lazy“. Der Titel ist Programm und so driften wir endgültig in den Bereich des kürzlich entdeckten Lounge Hop oder auch Jazz Hop ab, der im Jahre 2006 offenbar einen Höhepunkt erlebt.

Insgesamt ist das ganze einen Tick weniger Kaffeebar-Musik als die Unmenge an Samplern, die ähnliche Musik für eben einen solchen Einsatz verkaufen wollen, am Ende läuft es dennoch darauf hinaus, dass Tracks des Albums eher im Barbereich irgendeines Clubs laufen, als dass sie die Körper im heißen Licht der Scheinwerfer zum Schwitzen bringen.