Lightning Seeds – Hamburg Fifa FanFest 9.6.2006

Eine undankbare Aufgabe für Ian Broudie und Band: zwei Stunden vor Anpfiff des Eröffnungsspiels der Fifa WM 2006™ vor – im Endeffekt – einigen Tausend schwarzrotgold geschminkten, Fahnen schwingenden und betrunkenen Idioten eine dreiviertel Stunde zu spielen. Aber mit enormer Souveränität erledigt die Band dieses Geschäft … für das sie mit Sicherheit eine gute Stange Geld bekommen haben … zu recht.40 Minuten spielt die Band für fünf bis zehn Leute, der Rest grölt, trötet, rattert und stört. In den ersten Minuten gewinnt man sogar den Eindruck ein Teil der – vornehmlich schulpflichtigen – Masse würde mit ebensolcher Inbrunst, mit der sie der Band Stinkefinger entgegenreckt, den Hitlergruß zeigen, wenn dort vorne ein Nazi-Führer stände. Nichtsdestotrotz entwickelt sich zwischen den dann doch irgendwann zehn Fans und der Band eine Kommunikation – offensichtlich wusste Ian Broudie recht gut, worauf er sich einlässt. Wir zehn genießen den tollen Brit-Pop der 90er Jahre der Lightning Seeds, tanzen über die gesamte Zeit und verziehen uns, bevor die dämlichen Hamburg-Fußball-Animateure die Bühne wieder erobern können.

Die letzten fünf Minuten dann geschieht das, was zu erwarten/befürchten war. Die Band spielt tatsächlich 3 Lions und fünf bis zehn bis zwanzig Tausend Kehlen grölen mit und ebenso viele Schwarzrotgold-Banner werden geschwungen. Faszinierend, Broudie singt von den Enttäuschungen der englischen Nationalmannschaft und die deutschen Proleten deuten es in einen Schlachtengesang für ihre eigenen Hoffnungen bezüglich der Fifa WM 2006™ um.

Was bleibt? Zum einen ein routinierter aber sehr amüsanter Kurz-Gig der Lightning Seeds, zum anderen die Feststellung: We Are “Kuntz“!

Advertisements