Sleater-Kinney: 24. Mai 2006 Knust Hamburg

Lange geplant und dann doch absolut kurzfristig durchgeführt: Sleater-Kinney am 24. Mai 2006 im Knust (ehem. Schlachthof) Hamburg. Fünf Minuten vor Beginn von TGV das Knust betreten, ein Bier gekauft, den Zigaretten-Automaten gesucht, leider meine Marke nicht drin.

TGV – eine Band, mit der ich einen (extrem?) schlechten Support-Auftritt für Blumfeld 1998/99 verbinde – überzeugten erstaunlicherweise. Musikalisch relativ nah am Hauptact lebt die Spießerband von ihrer Sängerin Elena Lange. Wie konnte ich verdrängen, verpassen, vergessen, dass Elena (si. Stella) für TGV singt. Der Auftritt war sicher keine großartige Leistung, aber die gute halbe Stunde amüsierte gut, unterhielt perfekt. Und viel mehr ist nicht zu verlangen.

Wenn man von einer Band nur ein Album kennt, die doch schon sehr viel länger in der Musikszene herumgeistert, kann man von einem Konzert eigentlich nur positiv überrascht werden. Und genau dies geschieht. 75 Minuten inklusive einem Zugabenblock aus nur zwei Songs ist das, was mich normalerweise erbost – besonders bei einer Band mit einem solchen Backkatalog wie Sleater-Kinney. An diesem Tag jedoch entsprach dies genau meiner Aufmerksamkeitsspanne und ich war so gut unterhalten worden, dass ich dennoch zufrieden heimging. Die im Vergleich zu den vorhergehenden und nachfolgenden Konzerten in Köln und Berlin kurze Spielzeit lässt sich vielleicht darauf zurückführen, dass – wie sie mitteilte – die Band sieben Stunden auf der A1 im Kleintransporter verbrachte. Da kann man schon mal erschöpft sein.

Beeindruckend an der Musik von Sleater-Kinney ist zum einen die Melodieführung und zum anderen der ein- bis dreistimmige Gesang, der aus einfachsten Songs ganz besonderes macht. Den Gig besonders machten kleine Einzelleistungen, wie eine Schlagzeugerin, die gleichzeitig ihr Schlagwerk bedient und Mundharmonika spielt. Besonderes ergab sich auch durch die Zweiteilung des Abends. Zunächst spielte die Band eine gute Dreiviertelstunde wunderschöne Live-Umsetzungen ihrer Sleater-Kinney-Tracks, denen sich die zweite Hälfte als Berg- und Talfahrt anschloss, bestehend (nicht nur) aus Cover-Versionen, die zart leise bis brutal lärmend die Qualitäten der Einzelmitglieder und der Bandgesamtheit zeigte und offenbar sogar den Stamm-Soundengineer amüsierte.

Abschließend sei angemerkt, dass es ein typischer Hamburg-Gig war mit einem Publikum, das (in meinen Augen) nicht so wirklich in Stimmung kam und den Stock im Hintern bis zum Schluss nicht entfernen konnte.

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