X-Men: Der letzte Widerstand

Phönix aus der Asche?

Schon in den Vorschauen zu X-Men 3 – Der letzte Widerstand ist deutlich zu erkennen, dass niemand hier einen überaus anspruchsvollen Film zu erwarten. Vielmehr gibt es hier Popcorn-Kino auf mittlerem bis etwas höherem Niveau, das Popcorn- und Comic-Freaks eher enttäuschen dürfte, den durchschnittlichen Kinogeher aber sehr gut unterhält – wobei offenbar die Hälfte der X-Men-Freaks auch recht angetan ist.

Die Vorzeichen für einen guten Film stehen bei X-Men 3 nicht sonderlich gut. Der Tausch des Regisseurs mit dem neuen Superman lässt allerdings auch für diesen nicht zu viel erwarten. Nicht nur das, der Regisseur nahm die Hälfte des Teams hinter Kamera mit. Dies wird auf das Budget negative Auswirkungen gehabt haben. Weitere Probleme – Ambitionen einzelner Schauspieler, logische Anschlüsse zu vorhergegangenen Film – müssen ebenfalls gelöst werden, was bei einem Regisseur-Wechsel nicht einfach sein könnte.

So wundert es nicht, dass X-Men 3 – bei (nur) 105 Minuten Lauflänge – nicht alle Handlungsstränge und Charaktere in der nötigen Tiefe aufrollt. Nicht dass es deutlich lose Fäden gibt, eher wirkt einiges – bei Action-Filmen nicht unüblich – zu schnell aneinandergereiht, zu kurz betrachtet, da wird die Geschichte aufgebaut, „bekannte“ Charaktere nicht erneut eingeführt und alles löst sich in einem relativ kurzen Finale auf.

Erinnern wir uns – was bei der geschickten Ausstrahlung von X-Men 2 via RTL an Himmelfahrtstag und darauf folgendem Samstag nicht schwer fällt – an den Cliffhanger aus dem Vorgängerfilm. Jean Grey – im Nachhinein Phoenix– hat sich für ihre Mit-Superhelden geopfert, ist im Wasser des brechenden Staudamms untergegangen, doch während der „Abmoderation“ sehen wir im Wasser des Sees einen Schimmer, ein Wesen, eine Energiequelle, die einem Vogel ähnelt. Die Moral der Geschichte erzählte dazu etwas von der Rolle der Mutation in der Evolution. Dies ließ schon darauf schließen, dass Jean in einem möglichen Folgefilm wieder auftauchen würde, im Nachhinein ließ es zudem aber eher erwarten, dass sie in einer „mutierten“, „weiter entwickelten“ Figur, einer neuen Art von Mutant auftreten werde. Ein Ende, das – nach heutiger Recherche – bei Fans der Comics sicher ebenso multiple Orgasmen ausgelöst hat wie das eigentliche Ende von X-Men 3, das erst nach dem Abspann folgt und als Beginn eines möglichen X-Men 4 gesehen werden kann; aber vor X-Men 4 wird sicher Wolverine – Der Film kommen, und vielleicht auch Magneto – der Film.

Doch zur Zeit läuft X-Men 3 – X-Men: Der letzte Widerstand. Im Mittelpunkt steht weiterhin das Team um Professor X(avier) und seine Schule für „begabte“ Kinder. Die Mutanten/Superhelden, die wir bereits aus den vorhergehenden Filmen kennen, sind Prof. Xavier (Patrick Stewart), Storm (Halle Berry), Cyclops, Jean Grey und natürlich Wolverine (Hugh Jackman). Hinzu kommen die Jugendlichen Kitty, Rogue und Iceman. Neu tauchen Angel, Leech und Beast auf – neben vielen anderen. Nicht fehlen dürfen Magneto (Ian McKellen) und Mystique.

Die zwei Haupthandlungsstränge sind zum einen die Entdeckung eines Heilmittels, das die Wirkung des X-Gens, des X-Faktors unterdrückt und so die X-Kräfte, die Mutationen „heilt“. Quelle ist ein Mutant – Leech – und Entwickler des Heilstoffs ist Angels Vater. Daneben steht wiederum der Konflikt zwischen Xaviers X-Men und Magnetos Bruderschaft im Fokus des Films. Ausgangspunkt des ganzen ist eine Welt, in der Mutanten und Menschen in Einklang leben, Beast ist sogar Minister für Mutantenangelegenheiten und gemeinsame(r) Feind/Gegner/Bedrohung ist Magneto mit seiner Bruderschaft. Im weiteren Verlauf ergeben sich massive Verwerfungen der Mutantenwelt – ausgehend von Magnetos Befürchtung der Heilstoff könne als Waffe eingesetzt werden (was sich schneller bewahrheitet, als erwartet), seiner Bestrebung die „Homo Sapiens“ zu unterwerfen und dem Konflikt in der Psyche vieler Mutanten bzgl. der Wahrnehmung ihrer Fähigkeiten als Last und Lohn.

Der Film wird als Abschluss der X-Men Trilogie beworben. Dies entspricht sicherlich nicht dem Cliffhanger nach dem Abspann, es folgt jedoch aus den angemerkten Verwerfungen. So (Spoilllllllllll) stirbt/verschwindet nicht nur Cyclops, sondern auch Xavier segnet das Zeitliche. Nachdem Mystique ihre Fähigkeiten verliert, wird auch Magneto im – zu schnell „abgespulten“ – Endkampf seiner magnetischen Kräfte beraubt (/Endspoilllllllllll).

Beide Handlungsstränge werden nicht zuletzt durch Phoenix’ Wiederauftauchen zusammengehalten. Dem Kenner des Comics ist bekannt, dass in Jeans Psyche von Xavier Blockaden aufgebaut wurden. Nach ihrer Wiedergeburt sind diese instabil oder gar inaktiv. Sie – als stärkster bekannter Mutant – ist somit zu einer Gefahr für die gesamte Welt geworden. Nur ein Wesen – Mutant – wird sie ausschalten können, doch dieser liebt sie. Wird er sie ausschalten – (Spoilllllllllll) aber sicher doch (/Endspoilllllllllll) –, wird sie wieder auftauchen in Teil 4 – wer weiß es.

All dies ist actionfilmüblich wenig Story. All dies wird durch die vielen verschiedenen Charaktere, die weiter geführt werden wollen und neu eingeführt werden sollen, zu einer Menge, die in etwa 105 Minuten nicht in aller Dichte ausgeführt werden kann. Doch dies erwarte ich – im Wissen dieser Länge – auch nicht. Sicherlich hätte man in 150 Minuten den Charakteren und der Story mehr Aufmerksamkeit schenken können, doch hätte dies dem Film wahrscheinlich nicht besser gemacht, und er ist deshalb auch nicht schlecht, nein, er ist eher sogar ganz gut. Zufrieden kann der Zuschauer auch mit den schauspielerischen Leistungen – und auch der Tricktechnik sein. Beides ist solide, aber nicht überragend. Allerdings erfordert die Dichte (Überfülle) auch keine besonderen Leistungen. Erwähnt werden sollte Halle Berry, die ihre Beteiligung von einer größeren Rolle abhängig machte, was sich jedoch nur in mehr Kampfbeteiligung und der verantwortlichen Leitung der X-Men wie auch der Schule im späteren Verlauf des Films zeigt. Man muss ihr zugestehen, dass sie in einer tornadoartigen Schraubenbewegung keinen schlechten Eindruck macht.

Kurze Laufzeit und nur solide Tricktechnik lassen sich u. U. auf einen sehr eng gestrickten finanziellen Rahmen schieben. Der – äußerst billige – Titelschriftzug unterstützt diese Vermutung.

Insgesamt gibt es sicherlich eine Menge an X-Men: Der letzte Widerstand auszusetzen. Doch ist er ein solider Actionfilm, eine gute Comicverfilmung, eine amüsante Unterhaltung, die sich keine all zu offensichtlichen Blößen gibt, wie z. B. Hell Boy, die nicht suggeriert mehr zu sein als sie ist, wie z. B. V for Vendetta und die keinen offensichtlichen Bruch zu ihren Vorgängern darstellt, wie Batman Begins.

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